Spiegel Interview mit Tuvia Tenenbom

Ein lesenswerter Artikel bei Spiegel Online. Das hat Seltenheitswert! Der Spiegel hat Tuvia Tenenbom interviewt, einen amerikanisch-jüdischen Schriftsteller, der mit „Allein unter Flüchtlingen“ ein Buch über die Flüchtlingskrise verfasst hat.

Tenenbom ist mir schon mit seinem Buch „Allein unter Deutschen“ positiv aufgefallen. Tenenbom hat dafür im Jahr 2010 Deutschland bereist und sich mit dem Land und seinen Leuten auseinandergesetzt. Beeindruckend daran war, dass er wirklich mit allen geredet hat. Mit linksradikalen Aktivisten, die überall Nazis sehen, mit Leuten aus der Mitte der Gesellschaft aber genauso auch mit tatsächlichen Nazis irgendwo in der Provinz, denen gegenüber er sich als deutschstämmiger Amerikaner ausgab.

Obwohl er häufig und hart gewertet hatte, fühlte sein Stil sich irgendwie ungewohnt an. Denn anders als die meisten deutschen Journalisten war er dabei niemals herablassend oder hat sich selbst gar auf einen erhöhten moralischen Standpunkt gestellt. Er hatte seine Meinung aber er blieb nüchtern und wollte keinen missionieren. Schon im Jahr 2010 stellte er fest, dass sehr viele Deutsche, wenn man sie zu einem politischen Thema befragt, interessanterweise schlichtweg dieselbe Meinung artikulieren. Und schon damals warf er die Vermutung in den Raum, dass mit diesem Land etwas nicht stimmen kann.

Nun hat er ein neues Buch geschrieben und wieder geht es um Deutschland. Hier seine besten Zitate aus dem Interview:

Es gibt keinen Journalismus mehr, vor allem in Deutschland nicht. Stattdessen gibt es Aktivismus. Journalisten berichten nicht mehr, was geschieht, sondern was wir denken sollen. Carolin Emcke, die 2016 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen hat, ist eine Aktivistin, keine Journalistin. Sie predigt.

Gefragt, ob es nicht elementar ist für Journalisten, gegen „Hass“ anzukämpfen:

Nein. Das kann man im Privatleben praktizieren, aber nicht im Journalismus. Wenn ich Juwelier bin und Ihnen einen Diamanten verkaufe, tue ich das auch nicht nur dann, wenn Sie das glauben, was ich glaube. Die Aufgabe eines Journalisten ist es nicht, zu den Massen zu predigen. Der Juwelier soll Ihnen verkaufen, was Sie wollen, und der Journalist soll Ihnen die Wahrheit sagen. Mehr nicht.

Und auf die Frage hin, wie er Deutschland heute erlebt:

Wir haben hier den wirklich extremen Fall eines Landes, das kein Einwanderungsland war und plötzlich entschieden hat, eines zu sein. Durch die Straßen zu laufen und so viele Menschen Arabisch sprechen zu hören: Das ist schon eine extreme Veränderung. Der ganze Westen bewegt sich in eine Richtung – Gott weiß wohin -, doch Deutschland bewegt sich zehnmal so schnell.

Der Rest des Interviews ist ebenfalls sehr lesenswert.

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