Das Nordkorea-Problem

Die USA und Nordkorea befinden sich derzeit in einer massiven Konfrontation. Nordkoreas Diktator Kim Jong-un droht unverholen, die zu den USA gehörende Pazifikinsel Guam mit Raketen zu beschießen und prahlt mit seinem Nuklearprogramm und seinen Langstreckenraketen, die möglicherweise Nordamerika erreichen können (sie wurden auf kürzere Distanz getestet, haben aber laut unabhängiger Berechnungen eine Reichweite von 10.000 km).

US-Präsident Trump weist Kim Jong-un dagegen in matrialischen, ja geradezu biblischen, Worten darauf hin, dass auf einen solchen Angriff eine für Nordkorea verheerende militärische Antwort folgen würde:

“North Korea best not make any more threats to the United States. They will be met with fire, fury and, frankly, power the likes of which this world has never seen before.”

Viele sind jetzt besorgt und das nicht zu Unrecht. Die Situation ist tatsächlich sehr ernst.

Aber schauen wir uns doch zuerst einmal an, wie wir überhaupt in diese Situation gekommen sind, bevor wir weitere Überlegungen anstellen.

Die Geschichte der zwei Koreas

Das damals noch geeinte Korea wurde 1910 vom Kaiserreich Japan annektiert. Die Japaner unterdrückten die Koreaner und ihre Kultur und beuteten das Land brutal aus. Defacto war Korea eine japanische Kolonie. Nachdem der Zweite Weltkrieg in Asien am 15. August 1945 mit der Kapitulation Japans endete, wurde Korea zwischen den USA und der Sowjetunion entlang des 38. Breitengrads aufgeteilt.

Das ursprüngliche Ziel war die friedliche Wiedervereinigung der beiden Staaten. Nachdem die meisten US-Truppen das Land verlassen hatte, kam es 1950 stattdessen zu einer Invasion Südkoreas durch die Kommunisten aus dem Norden, angeführt vom nordkoreanischen Premierminister Kim Il-sung, dem Großvater des heutigen Machthabers Kim Jong-un.

Schnell gelang es den Kommunisten fast die gesamte koreanische Halbinsel zu erobern. Kurze Zeit später wendete sich das Blatt, als die UN-Truppen unter einem massiven Aufgebot der USA zum Gegenschlag ausholten. So schnell wie der Norden den Süden überrannt hatte, so schnell drängte die von den USA geführte Allianz die kommunistischen Aggressoren aus dem Norden zurück. Innerhalb kürzester Zeit befreiten die UN-Truppen nicht nur Südkorea, sondern eroberten auch den größten Teil Norkoreas und drängten die Kommunisten bis in die Nähe der chinesischen Grenze zurück.

Der Sieg über die Kommunisten war schon zum Greifen nah, da trat China verdeckt aber mit einem gigantischen Aufgebot an Menschen und Material in den Krieg ein. Die technisch überlegenen US-Truppen wurden von einer chinesischen Übermacht wieder bis zum 38. Breitengrad zurückgedrängt und nach erbitterten und für alle Seiten verlustreichen Kämpfen endete der Krieg 1953 mit einem Waffenstillstandsabkommen. Da darüber hinaus nie ein Friedensvertrag geschlossen wurde, befinden sich Nord- und Südkorea offziell nach wie vor im Krieg.

Im Koreakrieg starben auf Seiten der UN-Truppen ca. 180.000 – 210.000 Soldaten, während Nordkorea und China ca. 370.000 – 750.000 tote Soldaten zu beklagen hatten. Die meisten Opfer forderte der Krieg unter der Zivilbevölkerung. Im Koreakrieg kamen auf beiden Seiten mehr als 2 Millionen koreanische Zivilisten ums Leben.

Hier eine sehr gut gemachte Animation vom Frontverlauf des gesamten Koreakriegs:

Nach dem Ende der Kampfhandlungen wurde zwischen beiden Staaten 1953 am 38. Breitengrad eine demilitarisierte Zone eingerichtet. Auf beiden Seiten dieser Zone befinden sich massive Befestigungsanlagen der beiden einander feindliche gesinnten Bruderstaaten, die sich von dort aus seit mehr als 60 Jahren kritisch beäugen. Noch heute sind in Südkorea über 50.000 US-Soldaten stationiert, die im Fall der Fälle bereit stehen, um das Land gegen eine erneute Invasion aus dem Norden zu verteidigen.

Die südkoreanische Hauptstadt Seoul befindet sich keine 60 km entfernt von der demilitarisierten Zone. Direkt hinter der nordkoreanischen Seite der Grenze befinden sich tausende von Artilleriegeschützen, die auf die 10-Millionen-Einwohnerstadt ausgerichtet sind und sie jederzeit unter Beschuss nehmen können.

Nordkorea ist heute eine militärisch hochgerüstete (1,2 Millionen aktive Soldaten) und stalinistisch geprägte Diktatur mit einem ans Absurde grenzenden Personenkult. Obwohl schon 1994 verstorben, gilt Kim Il-sung noch immer als offizielles Staatsoberhaupt.

Die Macht im Staate wurde bisher an die Nachfahren Kim Il-sungs vererbt und um die Nachfolger wird ein ähnlicher Personenkult betrieben. Nach 1994 wurde die Macht an Kim Il-sungs Sohn Kim Jong-il übergeben. Als dieser Ende 2011 starb, wurde er von seinem Sohn Kim Jong-un beerbt, der noch immer die Fäden in der Hand hält und nun die Konfrontation mit den USA sucht.

Jede Form von politischem Dissens wird in Nordkorea brutal unterdrückt. Wer sich gegen die Regierung äußert oder ihr gegenüber auch einfach nicht enthusiastisch genug ist riskiert, dass er und im Schlimmsten Fall seine ganze Familie in einem der Todeslager des Landes verschwindet, in denen ein Großteil der Häftlinge durch Hunger und Arbeit ums Leben kommt.

Nordkorea ist heute im Besitz von Nuklearsprengköpfen und seit neustem verfügt das Land auch über Langstreckenraketen. Schon in früheren – damals noch sehr absurd wirkenden – Äußerungen, versuchte Kim Jong-un die USA militärisch herauszufordern.

Das Nordkorea-Dilemma

Der Westen steht in Korea seit dem Kriegseintritt der Chinesen 1950 dem immer gleichen Dilemma gegenüber:

  1. Entweder geht man ein extremes Risiko ein und erzwingt damit (falls es gut ausgeht) den Sieg
  2. Oder man verwaltet den Status Quo und vermeidet dieses Risiko

Schon Ende 1950, nach dem Kriegseintritt Chinas, dachte man in den USA über den Einsatz von Nuklearwaffen gegen die Chinesen nach. Das hört sich erst einmal völlig wahnsinnig an, denn wie leicht hätte die Sowjetunion in den Konflikt hineingezogen werden, die bereits Anfang 1950 einen offiziellen Beistandspakt mit China hatte und wie leicht hätte es zum dritten Weltkrieg kommen können?

Möglicherweise war es eine völlig wahnsinnige Idee. Doch was, wenn es funktioniert hätte? Was, wenn der Einsatz von Nuklearwaffen auf der koreanischen Halbinsel oder gar innerhalb Chinas zu einem Rückzug der Gegner der USA geführt hätte?

Der Terror der koreanischen Kommunisten hätte Anfang der 1950er geendet. Die nordkoreanischen Todeslager würden heute schon sehr lange nicht mehr existieren. Generationen von Koreanern hätten ihr Leben weder unter kommunistischer Gewaltherrschaft verbracht, noch hätte sie sich ständig vor einem heute vielleicht noch ausstehenden Krieg fürchten müssen.

Nach dem Waffenstillstand gab es ein neues aber ganz ähnliches Dilemma. Zum einen hob China seine schützende Hand von nun an über Nordkorea und zum anderen ist das Land seitdem in der Lage, Seoul mithilfe von Artillerie in kürzester Zeit in Schutt und Asche zu legen.

Das Ergebnis ist: Die Kim-Dynastie kann in Nordkorea machen was sie will, sie ist für die USA unberührbar. Egal welche Menschenrechtsverletzungen sie auch begeht und egal welche Provokationen von ihr ausgehen, man kann sie nicht zur Rechenschaft ziehen. Denn würde man dies versuchen, dann hätte man schon vor dem ersten nordkoreanischen Atombombentest im Jahr 2006 Millionen Tote auf der koreanischen Halbinsel riskiert.

Lange Zeit schien es vielversprechend, einer Konfrontation mit Nordkorea aus dem Weg zu gehen. Man konnte hoffen, dass das nordkoreanische Regime irgendwann von selbst kollabiert. Es war sehr wahrscheinlich, aber leider ist es nicht passiert. Die Terrorherrschaft der nordkoreanischen Kommunisten dauert noch immer an und es scheint kein Ende in Sicht.

In den 90ern versuchte Bill Clinton Nordkorea über Verhandlungen und mithilfe des Atomwaffensperrvertrags von der Entwicklung nuklearer Kapazitäten abzuhalten. Diese Strategie scheiterte und 2006 führte das Land während der Präsidentschaft von George W. Bush seinen ersten Atomtest durch. Bush griff das Land verbal an aber hielt sich bis auf die Einführung von Sanktionen sonst weitgehend zurück. Sein Nachfolger Obama versuchte das Land zu ignorieren, doch auch das hat nicht wirklich zu einer Besserung der Situation beigetragen.

Mittlerweile hat Nordkorea nicht nur seine Nuklearsprengköpfe weiterentwickelt, es verfügt auch über immer beängstigendere Trägerraketen, die einen nuklearen Angriff auf die USA zu einer realistischen Möglichkeit werden lassen.

Was jetzt?

Viele werfen Trump vor er würde eskalieren und unterstellen, er wäre das Problem. Ist sein Kurs der richtige? Ich weiß es nicht! Doch ich weiß, dass weitere Beschwichtigungen mittel- bis langfristig auch nichts bringen, denn das haben die letzten 60 Jahre bewiesen.

Und das eigentliche Problem ist doch nicht Trump, wie so viele jetzt meinen. Das Problem ist ein ganz anderes.

In Nordkorea herrscht ein sehr von sich selbst überzeugter und äußerst brutaler Diktator. Er verfügt über Nuklearwaffen und wenn nicht jetzt, dann zumindest schon bald über Trägerraketen, mit denen er sie überall auf der Welt ins Ziel bringen kann. Und man kann nicht ausschließen, ja muss vielleicht sogar fast annehmen, dass er längst seine eigene Propaganda glaubt.

Das und nicht Trump ist das wahre Problem und es ist das, was uns wirklich Sorgen bereiten sollte.

Sechzig Jahre lang haben die Präsidenten der USA ein Problem vor sich hergeschoben. Und die Gründe dafür waren gewiss nicht die Schlechtesten. Doch es hat alles nichts genützt. Nordkorea ist eine Nuklearmacht und es wird seine neuen Fähigkeiten nutzen, um die Welt zu erpressen. Ein ähnliches Problem wird im Iran vermutlich noch auf uns zukommen und spätestens wenn Südkorea und Japan als Reaktion auf die nordkoreanische Bedrohung eigene Trägersysteme und Nuklearwaffen entwickeln ist die Antiproliferationspolitik endgültig gescheitert.

Interessanterweise wies Trump schon 1999 auf das Problem mit Nordkorea hin:

Er meint, dass man jetzt etwas tun muss und nicht erst in 5 Jahren, wenn Nordkorea über Sprengköpfe und Raketen verfügt und er bejaht die Frage des Reporters, ob man Nordkoreas Nuklearprogramm auf ähnliche Weise ausschalten soll, wie Israel dies 1981 im Irak getan hat. Damals zerstöre ein Geschwader der israelischen Luftwaffe durch einen Überraschungsangriff den irakischen Kernreaktor Osirak.

Hätte man Nordkorea in den 90ern mit militärischer Gewalt vom Bau der Bombe abhalten und einen konventionellen Krieg auf der koreanischen Halbinsel riskieren sollen? Vielleicht, vielleicht nicht. Nordkorea ist nichts als ein Dilemma!

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3 Gedanken zu “Das Nordkorea-Problem

  1. Gute Zusammenfassung und ein historischer Blick auf die letzten 60 Jahre, danke. Diese Persiflage auf seinen Vater mit dem Topfschnitt kann man zwar nicht so richtig einschätzen (ich halte ihn für größenwahnsinnig und menschenverachtend) aber man könnte ja mal über eine verdeckte Operation nachdenken.

    Gefällt 1 Person

    • Ein Enthauptungsschlag wäre klasse. Allerdings ist halt die Frage, ob er funktioniert und ob dann nicht ein Vertrauter der Kims oder gar ein anderer Kim an die Macht kommt, welcher dann auf Rache sinnt und auch Südkorea angreift.

      Es gibt keinen unberechenbareren Konflikt auf der Welt aber durch das Nichtstun in der Vergangenheit wird daraus jetzt langsam ein globales Problem.

      Ich bin ja auch gespannt, ob die Raketentriebwerke wirklich von den Russen stammen. Russland und China könnten den Irren in Nordkorea sogar als Chance betrachten, um die USA früher als erwartet als Weltmacht zu erledigen.

      Gefällt 1 Person

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