Wie die Mainstream-Presse an den „Populisten“ scheitert

Der Spiegel hat gerade einen interessanten Artikel zu Andrej Babis, einem tschechischen Milliardär, der dieses Wochenende mit seiner Partei ANO (Aktion unzufriedener Bürger) voraussichtlich die tschechischen Parlamentswahlen gewinnen und der nächste Regierungschef des Landes werden wird. Babis wird auch als der „tschechische Trump“ bezeichnet.

Wenn man bei solchen Artikeln zwischen den Zeilen liest, dann kann man oftmals herauslesen, wie wenig die Mainstream-Medien verstehen, was gerade in der Welt vor sich geht und wie sehr sie in ihrer eigenen Gedankenwelt gefangen sind. Zugleich sieht man sehr deutlich, welche Ideen sie pushen und welche Ideen sie aus ideologischen Gründen niederschreiben.

Dieser Artikel macht da keine Ausnahme.

Er will Regierung und Staat wie ein Unternehmen führen, straff, effizient, natürlich mit ihm als Chef, doch er fordert auch direkte Demokratie mit starker Bürgerbeteiligung. Er polemisiert gegen Angela Merkels Flüchtlingspolitik, gegen Migranten, gegen den Euro, dann wiederum plädiert er für eine gemeinsame europäische Sicherheitspolitik und lobt die Freizügigkeit von Personen, Waren und Kapital in der EU. Babis‘ Schlussappell lautet: „Jetzt oder nie! Wir haben die letzte Chance, das korrupte System zu besiegen!“

Ob man einen Staat wie ein Unternehmen führen kann und sollte, darüber kann man sicher trefflich streiten. Der Rest erscheint mir aber doch mehr als vernünftig.

Direkte Demokratie, Bürgerbeteiligung, keine illegale Einwanderung unter dem Label „Flüchtlingspolitik“, Kritik an der gut gewollten aber schlecht gemachten Gemeinschaftswährung Euro (auch wenn wir hier leider keine Details erfahren), eine europäische Sicherheitspolitik und ein Lob für die offenen Grenzen innerhalb Europas.

Alles Dinge, mit denen ich mich voll und ganz identifizieren kann.

Besonders interessant ist aber wie der Spiegel diesen Satz formuliert:

Er polemisiert gegen Angela Merkels Flüchtlingspolitik, gegen Migranten, gegen den Euro, dann wiederum plädiert er für eine gemeinsame europäische Sicherheitspolitik und lobt die Freizügigkeit von Personen, Waren und Kapital in der EU.

Babis „polemisiert“ also gegen die Dinge, die dem linken Mainstream heilig sind. Also Angela Merkels „Flüchtlingspolitik“, „Migranten“ (Euphemismus für illegale Einwanderer) und den Euro (eine tolle Idee, die in der Praxis einige Probleme verursacht, über die man nicht sprechen möchte).

Ganz überrascht ist man dann, wenn der politische Gegner Dinge gut findet, die man selbst auch unterstützt. Diese Überraschung drückt man aus mit der Wendung „dann wiederum plädiert er für…“. Unglaublich, der böse Populist findet Dinge gut, für die die EU ursprünglich einmal gestanden hat, bevor das Memo kam, dass ab sofort auch illegale Einwanderung zum Wertekanon der EU gehört und man das als „Europäer“ gefälligst gut finden muss.

Auch sehr gut gefällt mir folgender Absatz:

Tschechien geht es gut – doch der Frust ist groß

Dass seine Parolen trotzdem auf so große Resonanz stoßen, erklärt der Politologe Miroslav Mares von der Universität Brünn so: „Es gibt in der Gesellschaft eine verbreitete irrationale Verdrossenheit. In Euroskeptizimus, prorussische Sympathien und Angst vor Flüchtlingen mischt sich das Gefühl vieler Menschen, sie würden von der Elite nicht respektiert. Deshalb wollen viele die politische Klasse pauschal bestrafen.“

Tschechien geht es gut, trotzdem wählen viele aus einer „irrationalen Verdrossenheit“ heraus einen bösen Populisten. Diese Denkweise kennen wir doch irgendwoher. Für mich klingt das immer wie: „Der Pöbel hat Brot und Spiele, trotzdem rebelliert er gegen uns. Was stimmt nicht mit denen?“.

Diese Leute entlarven sich selbst. Nicht nur ist ihr Denken durch und durch elitär, auch scheinen sie zu glauben, dass es im Leben nichts weiter gibt als materiellen Wohlstand. Die Vorstellung, dass vielen Menschen im Moment andere Dinge wichtiger sind als Geld, die muss ihnen wohl vollkommen fremd sein.

Und wenn viele Bürger das Gefühl haben, dass sie von der politischen Elite nicht respektiert werden, ist das dann für einen demokratischen Staat nicht ein großes Problem? Sollte man sich da nicht fragen, was in so einem Staat falsch läuft und ob die Regierung noch die vertritt, die sie vertreten sollte?

Sehr merkwürdig ist dann auch diese Feststellung:

Mit Babis an der Spitze würde in Tschechien antieuropäischer Populismus an Einfluss gewinnen, warnt auch der Politologe Milan Znoj von der Karls-Universität Prag. Einen ähnlichen Weg wie Orbáns Ungarn oder Kaczynskis Polen, so Znoj, werde sein Land aber eher nicht einschlagen: „Wir haben zum Beispiel einfach nicht die nationalistischen Tradition Polens oder Ungarns.“

Auch wenn man sich hier auf einen tschechischen Politologen beruft, diese Aussage entspricht exakt der Linie des Spiegels.

Und obwohl ich Herrn Babis nicht näher kenne, so scheint er gemäß den Informationen dieses Artikels doch sehr proeuropäisch eingestellt zu sein. Er macht den Eindruck als wäre er ein Verfechter eines geeinten Europas mit offenen Binnengrenzen, in dem wir Europäer gemeinsam daran arbeiten, eine friedliche Zukunft für unseren Kontinent und für unsere Kinder zu schaffen.

Nicht nur haben wir damit mehr als genug zu tun, es ist auch in keinster Weise ersichtlich, warum wir parallel zu dieser monumentalen historischen Aufgabe plötzlich „Einwanderer“ aus der dritten Welt auf unserem Kontinent „integrieren“ und somit weiteres Konfliktpotential importieren sollten.

Wer die Geschichte Europas kennt, der weiß, wie instabil unser Kontinent sein kann und der weiß gerade deshalb den Frieden und die Freiheit, die wir in den letzten 27 Jahren genossen haben, zu schätzen.

Von daher kann ich – zumindest anhand dieser Informationen – überhaupt nicht nachvollziehen, was an Andrej Babis „antieuropäisch“ sein soll.

Liebe Spiegel-Redaktion, wenn ihr die „Populisten“ wirklich verstehen wollt, dann müsst ihr endlich heraus kommen, aus euren linksliberalen Echokammern und akzeptieren, dass es noch andere Sichtweisen gibt als die eure. Andernfalls werdet ihr auch in Zukunft nur im Trüben stochern!

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9 Gedanken zu “Wie die Mainstream-Presse an den „Populisten“ scheitert

  1. „Der Pöbel hat Brot und Spiele, trotzdem rebelliert er gegen uns. Was stimmt nicht mit denen?“.

    Was mit denen stimmt ist, dass sie sich nicht nur ueber heute und vielleicht morgen Gedanken machen, sondern auch ueber ihr Leben im Alter und das Leben ihrer Kinder und Enkel. Genau dazu sind die Nihilisten, die unsere Medien derzeit bestimmen nicht faehig und auch nicht willens.

    Gefällt 2 Personen

  2. Wer immer noch den Spiegel als ein der Demokratie verhaftetes Blatt ansieht, dem ist nicht zu helfen. Das ehemalige Sturmgeschütz der Demokratie ist längst zum Panzer geworden, der die Demokratie niederwalzt. Immer schön im Sinne der politischen Kaste. Wer den alten Spiegel noch kannte, weiß daß z.B. Reichspropagandaminister Heiko Maas wegen seines fortgesetzten Verfassungsbruchs zum Rücktritt gezwungen worden wäre. Daß ein Bundespräsident, der von Dunkeldeutschen spricht, heftigen Gegenwind bekommen hätte.
    Der Spiegel ist Lügenpresse, seine Schreiberlinge Preßtituierte und Mietmäuler. Aber es ist erfreulich, wie der Lügenpresse die Leser abspenstig werden.

    Beim SPIEGEL bekommt man 12 Hefte und ein Abus-Fahrradschloss, das bei Amazon mindestens 76 Euro kostet, zusammen für 40 Euro. Effektiv geben die einem 36 Euro dafür, dass sie einen überhaupt noch als Leser bekommen.
    zitiert
    Hadmut Danischn Ansichten eines Informatikers

    Wenn ich das lese kann ich meine klammheimliche Freude kaum verhehlen.

    Gefällt 1 Person

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