Gauland lernt dazu

Na also, geht doch! Nach seiner viel kritisierten und meiner Meinung nach (selbstverschuldet) missverstandenen Vogelschiss-Rede hat Alexander Gauland heute in Augsburg auf dem AfD Bundesparteitag eine überaus gelungene Rede gehalten, die die derzeitige Situation in Deutschland treffend auf den Punkt bringt:

Ab Minute 3:46 bringt Gauland dann sogar einen gekonnt formulierten Hitlervergleicht. Moment, ist das nicht kindisch, dämlich und gefährlich? Für gewöhnlich ja und normalerweise sollte man auf sowas natürlich verzichten.

Interessant ist hier aber die Aussage und wie Gauland sie verpackt:

Deutschland ist derzeit mit den Russen wegen Putin verfeindet, mit den Amerikanern wegen Trump, mit den Briten wegen des Brexit, die Beziehungen zu den Polen, Ungarn, Italien und sogar Österreich sind miserabel. Meine Damen und Herren, liebe Freunde, der letzte deutsche Regierungschef, der eine solche Feindkonstellation gegen sich aufgebracht hat… …

Gauland führt den Satz nicht zuende, sondern schließt einfach mit einer Pause, so dass man sich dann leicht denken kann, wer gemeint ist. Unter dem heiteren Applaus der Anwesenden schickt Gauland schelmisch hinterher: „Ich habe aber nicht verglichen“.

Wie bereits gesagt, normalerweise sollte man solche Vergleiche lassen. In der Sache hat Gauland aber natürlich recht, tatsächlich hat seit dem unseligen Hitler kein deutscher Regierungschef so viele fremde Staaten gegen Deutschland aufgebracht wie Angela Merkel. Man kann sogar noch weiter gehen und mit Fug und Recht behaupten, dass seit Hitler niemand diesem Land soviel Schaden zugefügt hat wie diese Kanzlerin. Natürlich kann man das öffentlich nicht ohne weiteres so sagen.

Und genau deshalb ist das was Gauland hier abgeliefert hat rhetorisch ganz großes Kino. Hätte Gauland den Namen dieses Reichskanzlers und Diktators ausgesprochen, die Medien wären sofort über ihn hergefallen. Redakteure im ganzen Land hätten Headlines wie „Gauland vergleicht Merkel mit Hitler“ getextet und gleich im Anschluss den entsprechenden Gauland-Satz oder – wenn praktikabel – einen möglichst zugespitzten Teil davon zitiert.

Ein Shitstorm wäre die nicht unwahrscheinliche Folge gewesen.

Durch das bewusste Weglassen einer Passage, die sich jeder ohnehin selbst denken kann, sagt Gauland nicht nur was er sagen will, er bietet der Presse zugleich auch keinen Angriffspunkt. Will ein Redakteur sich nun über Gauland ereifern, so muss er die ganze Situation schildern – das Zitieren eines knackigen Satzfragmentes genügt hier nicht.

Bleibt zu hoffen, dass Gauland auch in Zukunft bei der Formulierung seiner Reden soviel Sorgfalt walten lässt.

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