Bannon gründet politische Bewegung in Europa

Wenn man einem sehr detailreichen Bericht von The Daily Beast glauben darf, dann ist Steve Bannon dabei in Europa eine neue politische Bewegung mit dem Namen „The Movement“ zu gründen, die ihren künftigen Hauptsitz in Brüssel haben soll.

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Steve Bannon

Bannon will damit ein Gegengewicht zum linksliberalen Milliardär George Soros aufbauen, der in Europa zahlreiche linke Bewegungen und Aktivisten finanziert und seit Jahrzehnten Einfluss auf die Politik nimmt.

Das große Ziel der neuen Bewegung ist die kommende Europawahl, die vom 23. bis zum 26. Mai 2019 stattfindet. Wenn es nach Bannon geht, dann soll ein Drittel der Sitze im nächsten Europaparlament an rechtspopulistische Abgeordnete aus ganz Europa gehen.

Um dieses Ziel zu erreichen will die neue Bewegung alle in Frage kommenden Parteien aus den unterschiedlichen Ländern Europas zusammen bringen und sie durch Beratung, Koordination und die gezielte Analyse von Wählerdaten strategisch unterstützen.

Wie nötig eine solche Organisation sein könnte zeigt folgende Anekdote aus dem Artikel:

“I didn’t get the idea until Marine Le Pen invited me to speak at Lille at the Front National,” recalled Bannon. “I said, ‘What do you want me say?’”

The response came back: “All you have to say is, ‘We’re not alone.’”

Bannon was stunned to discover that the nationalist movements in Europe were not pooling skills and sharing ideas with populist parties in neighboring countries—let alone on a global scale.

Bannon said the Front National recognized that he was “the guy that goes round and understands us as a collective.”

Das wirft mal wieder ein Schlaglicht auf uns Europäer. Die Zusammenarbeit klappt nicht nur im offiziellen und korrupten Europa nicht, sie klappt leider auch bei denen nicht, die dieses System zum Besseren verändern wollen.

Dies ist besonders deshalb so tragisch, weil hier eine Schicksalsentscheidung auf uns wartet. Wir dürfen uns nicht nur auf uns selbst zurückziehen. Wir alle haben unsere eigenen Nationalstaaten und manchmal auch verschiedene Interessen. Doch wenn wir gegen die bestehen wollen, die unsere Identität und alles was uns lieb und teuer ist im Namen ihrer weltfremden Utopien opfern wollen, dann müssen wir uns bewusst sein, dass es ein unsichtbares Band gibt, das uns verbindet.

Wenn wir das bewahren wollen, was wir lieben, dann müssen wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Dass wir das noch nicht einmal innerhalb Europas schaffen ist ein Trauerspiel.

Im Artikel von The Daily Beast findet sich eine Aussage, die Hoffnung für die Zukunft macht:

Bannon went to Italy to observe the campaign earlier this year as populist parties surged in the polls despite their tiny operations. “Look at Five Star and the Northern League,” he said. “They used their own credit cards. They took control of the seventh largest economy in the world—on their credit cards! It’s insane.”

Wenn die Brexit-Kampagne mit nur 9 Millionen Dollar ins Ziel gekommen ist und wenn Fünf Sterne und Lega mit ihrem eigenen Geld (selbst wenn man versteckte Hilfen annimmt dürfte das Gesamtbudget verschwindend gering sein) in Regierungsstärke ins Parlament einziehen konnten, dann müssen die Zeichen der Zeit wirklich auf Veränderung stehen.

Und was könnte in so einer Situation ein wenig professionelle Wahlkampfhilfe von den Machern der Trump-Kampange nicht alles bewirken?

Geht der Westen gerade an einer Schwarzen Legende zugrunde?

Das ist ja mal interessant. Es es gibt in der Geschichstsforschung den Begriff der „Schwarzen Legende“.

Auf Wikipedia heißt es dazu im Artikel Black Legend:

A „black legend“ (Spanish: leyenda negra) is a historiographic phenomenon suffered by either characters, nations or institutions, and characterized by the sustained trend in historical writing of biased reporting, introduction of fabricated, exaggerated and/or decontextualized facts, with the intention of creating a distorted and uniquely inhuman image of it, while hiding from view all its positive contributions to history.

Weiter wird da ein zeitgenössischer spanischer Historiker mit folgender Definition zitiert:

„The careful distortion of the history of a nation, perpetrated by its enemies, in order to better fight it. And a distortion as monstrous as possible, with the goal of achieving a specific aim: the moral disqualification of the nation, whose supremacy must be fought in every way possible.“

—  Alfredo Alvar, La Leyenda Negra

Eine „Schwarze Legende“ ist also die Verzerrung der Geschichte einer Nation und sie manifestiert sich als ein langanhaltender Trend der übertrieben negativen Selbstbetrachtung in den Medien, dem Kulturbetrieb und teils auch der historischen Forschung. Die Errungenschaften und Leistungen der Nation werden dabei so weit wie irgend möglich aus der Wahrnehmung verdrängt.

Eine Schwarze Legende wird oftmals von den Feinden der Nation zu ihrer Schwächung initiiert und sie wird von den Einwohnern der Nation selbst, wie auch von den Einwohnern anderer Nationen aufgesogen und manchmal sogar über Jahrhunderte am Leben erhalten.

Der Begriff selbst stammt von spanischen Historikern, die wohl schon länger dabei sind, ihre eigene Schwarze Legende – die sich vor allem auf die Ereignisse bei der Eroberung Spaniens stützt – zu analysieren.

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Eine spanische Historikerin geht noch weiter und stellt die Theorie auf, die Entstehung und die Akzeptanz einer „Schwarzen Legende“ wäre eine Art massenpsychologisches Phänomen, das in allen multikulturellen Imperien zu beobachten ist:

According to historian Elvira Roca Barea the formation of a Black Legend and its assimilation by the nation that suffers it is a phenomenon observed in all multicultural empires, not just on the Spanish Empire. The black legend of empires would be the result of the following combined factors:

  1. The combined propaganda attacks and efforts of most smaller powers of the time, as well as defeated rivals.
  2. The propaganda created by the many rival power factions within the Empire itself against each other as part of their struggle to win more power.
  3. The self criticism of the intellectual elite, which tends to be larger in larger Empires.
  4. The need of the new powers consolidated during the Empire´s life or after its dissolution to justify their new prevalence and the new order.

Said black legend tends to fade once the next great power is established or that enough time has gone by.

Die Gründe für das Aufkommen einer Schwarzen Legende in einem solchen multikulturellen Staatsgebilde sind laut Frau Barea also:

  • Die Propaganda-Angriffe kleinerer Mächte und besiegter Gegner
  • Die Propaganda rivalisierender Fraktionen innerhalb der Gesellschaft
  • Die Selbstkritik der intellektuellen Elite
  • Aufstrebende Mächte, die das alte Imperium ersetzen, benötigen ein Narrativ, um ihre neu gewonnene Herrschaft zu rechtfertigen

Elvira Roca Barea hat auch ein Buch mit dem Titel „Ablehnung von Imperien und Schwarze Legenden: Rom, Russland, die USA und das Spanische Weltreich“ (original: „Imperofobia y Leyenda Negra: Roma, Rusia, Estados Unidos y el Imperio Español“) geschrieben. Dieses Buch ist bisher leider nur auf spanisch erhältlich, aber immerhin findet sich auf Frau Bareas Wikipediaseite ein kleiner Abriss des Inhalts:

Roca Barea coins the term Empire-phobia to refer to a characteristic, repetitive process of demonization through distortion and magnification of three elements that all multi-cultural empires suffer by neighbouring nations, given certain circumstances, and that follows a consistent pattern. She claims that the Spanish Black Legend isn´t a unique phenomenon, but a particularly persistent case of this broader phenomenon, which also affected other empires like ancient Rome and Ottoman Turkey, and is now affecting modern United States, especially in the Islamic world.

In her book she offers a definition of both Empire and „black legends“. Then she shows the common elements of this discourse across nations and times, and their shared strategies of construction by deconstructing its elements and showing the similarities between the anti-American, anti-Russian, anti-Roman and anti-Spanish propaganda produced by their respective contemporaries, as well as the similarities in how the empires responded-or rather, didn´t respond.

Das ist mal ein mehr als nur interessanter Gedanke. Was wenn das was wir heute im Westen beobachten können nicht einfach der Wahnsinn einer völlig verrückten Zeit ist? Was wenn das was wir heute beobachten schon viele Male zuvor passiert ist?

Ist vielleicht sogar jedes, wirklich jedes Weltreich vor seinem Untergang einen ähnlichen Weg gegangen wie unsere Westliche Zivilisation heute?

Kommt es irgendwann nach dem Aufstieg einer Nation oder eines Imperiums (und im Grunde sind wir ja Teil dieses westlich amerikanischen Weltreichs) zu der Etablierung einer solchen Schwarzen Legende, die das Selbstbild der Menschen zerstört und sie mit der Zeit unvermeidlich in den Abgrund führt?

Als ich mich zum ersten Mal mit Rom beschäftigt hatte und von seinem Untergang gelesen habe, da war ich aufs tiefste schockiert. Wie konnte das sein? Wie konnte eine solch große Zivilisation einfach sang und klanglos im Orkus der Geschichte verschwinden? Wenn man einmal ein solches Niveau von Zivilisation erreicht hatte, müsste es dann nicht ein Leichtes sein seine Werte und Tugenden, die ja zweifelsfrei funktionieren und in dieser Welt zum Erfolg führen, an seine Nachfahren weiterzugeben und diese zu lehren sie mit sinnvollen Verbesserungen auch an ihre Nachfahren weiter zu geben, damit diese Zivilisation niemals untergehen würde?

Doch wer schon ein wenig länger auf dieser Welt weilt, der weiß, dass wir Menschen bei weitem nicht so logische Kreaturen sind, wie wir es gerne sein würden. Wir sind anfällig für Beeinflussung (ja, Propaganda funktioniert wirklich), merkwürdige und für uns selbst schädliche Ideen und manchmal leider sogar für ausgewachsene Massenpsychosen.

Und wie hätten die großen Zivilisationen der Vergangenheit auch sonst fallen sollen? Sie konnten nur warten bis im Laufe der Jahrtausende eine große Katastrophe über sie kommen und sie hinwegfegen würde, oder sie mussten eben von innen heraus zerfallen. Und man kann wohl davon ausgehen, dass letzteres so gut wie immer zuerst passiert.

Will man sich den Begriff der „Schwarzen Legende“ nun zueigen machen, so ist es ein Leichtes, die Schwarze Legende des Westens zu umreißen:

  • Wir sind Schuld an der Armut überall in der Welt, denn wir beuten die Armen aus und unser Wohlstand ist der Beweis dafür.
  • Wir haben die Welt jahrhundertelang unterdrückt und damit unermessliche Schuld auf uns geladen.
  • Wir zerstören mit unserem Müll und unseren Abgasen den Planeten.
  • Wir sind schuld an allen Kriegen in der Welt. Ohne den Westen wäre der Krieg schon längst „überwunden“ worden.
  • Ohne den Westen und den Weißen Mann wäre die Welt ein besserer Ort.

Dass es nie zuvor in der Geschichte der Menschheit eine Zivilisation gab, die größere technische und kulturelle Errungeschaften hervorgebracht hat? Dass sich ausgerechnet diese Zivilisation für die Erfindung der allgemeinen Menschenrechte verantwortlich zeigt?

Alles geschenkt.