Europas Krankheit

Die Welt berichtet, dass heute Morgen etwa 200 Afrikaner die Sperranlage der auf dem afrikanischen Kontinent gelegenen spanischen Exklave Ceuta überwunden haben.

Hier Fernsehbilder der illegalen Eindringlinge, die ihren geglückten und eigentlich strafbaren Grenzübertritt frenetisch feiern:

Der Grund für die überschwängliche Freude? Diese Leute sind nicht in ein normales Land illegal eingedrungen. Denn dann hätten sie angesichts der gerade begangenen Verletzung der Grenze eines souveränen Staates nicht viel zu Lachen.

In einem normalen Land würden ihnen für die Überwindung einer meterhohen Grenzanlage Verhaftung und umgehende Abschiebung drohen. Eventuell würde der Abschiebung auch monatelange Inhaftierung vorausgehen. Bei Widerstand würde die Grenzpolizei mit Tränengas und Gummiknüppeln antworten und sie würde alles tun, um die Integrität ihrer Grenzen zu schützen.

Aber Spanien ist kein normales Land. Spanien ist ein Teil des heutigen Westeuropas.

Und so wie die anderen Staaten Westeuropas leidet offensichtlich auch Spanien an einem scheinbar unauflöslichen Dilemma. Man ist ein Staat und möchte die Aufgaben eines Staates erfüllen. Gleichzeitig fühlt man sich aber einer weltfremden Moral verpflichtet, die zu diesen Aufgaben und mittel- bis langfristig sogar zur Sicherung der eigenen Existenz in einem krassen Widerspruch steht.

Dies führt dazu, dass Spanien hier ein geradzu groteskes und sehr einseitiges Capture-the-Flag-Spiel spielt. Spanien hat zum Schutz seiner beiden afrikanischen Enklaven große Sperranlagen errichtet. Versuchen illegale Einwanderer diese Sperranlagen zu überwinden, wird die spanische Grenzpolizei mit allen Mitteln versuchen sie davon abzuhalten, auf spanisches Territorium vorzudringen.

Gelingt es diesen Individuuen aber, die Sperranlage zu überwinden, dann haben sie gewonnen. Sie werden in Asylzentren auf dem spansichen und damit auch auf dem europäischen Festland gebracht. Dort können sie in Spanien Asyl beantragen.

Da es innerhalb Europas keine Grenzen gibt und sie diese ohnehin nicht für bindend halten können sie aber auch einfach weiterreisen. Z.B. in ein Land, das von noch bekloppteren Leuten regiert wird und in dem es deshalb noch einfacher ist ohne guten Grund Asyl zu bekommen.

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Spiegel Interview mit Tuvia Tenenbom

Ein lesenswerter Artikel bei Spiegel Online. Das hat Seltenheitswert! Der Spiegel hat Tuvia Tenenbom interviewt, einen amerikanisch-jüdischen Schriftsteller, der mit „Allein unter Flüchtlingen“ ein Buch über die Flüchtlingskrise verfasst hat.

Tenenbom ist mir schon mit seinem Buch „Allein unter Deutschen“ positiv aufgefallen. Tenenbom hat dafür im Jahr 2010 Deutschland bereist und sich mit dem Land und seinen Leuten auseinandergesetzt. Beeindruckend daran war, dass er wirklich mit allen geredet hat. Mit linksradikalen Aktivisten, die überall Nazis sehen, mit Leuten aus der Mitte der Gesellschaft aber genauso auch mit tatsächlichen Nazis irgendwo in der Provinz, denen gegenüber er sich als deutschstämmiger Amerikaner ausgab.

Obwohl er häufig und hart gewertet hatte, fühlte sein Stil sich irgendwie ungewohnt an. Denn anders als die meisten deutschen Journalisten war er dabei niemals herablassend oder hat sich selbst gar auf einen erhöhten moralischen Standpunkt gestellt. Er hatte seine Meinung aber er blieb nüchtern und wollte keinen missionieren. Schon im Jahr 2010 stellte er fest, dass sehr viele Deutsche, wenn man sie zu einem politischen Thema befragt, interessanterweise schlichtweg dieselbe Meinung artikulieren. Und schon damals warf er die Vermutung in den Raum, dass mit diesem Land etwas nicht stimmen kann.

Nun hat er ein neues Buch geschrieben und wieder geht es um Deutschland. Hier seine besten Zitate aus dem Interview:

Es gibt keinen Journalismus mehr, vor allem in Deutschland nicht. Stattdessen gibt es Aktivismus. Journalisten berichten nicht mehr, was geschieht, sondern was wir denken sollen. Carolin Emcke, die 2016 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen hat, ist eine Aktivistin, keine Journalistin. Sie predigt.

Gefragt, ob es nicht elementar ist für Journalisten, gegen „Hass“ anzukämpfen:

Nein. Das kann man im Privatleben praktizieren, aber nicht im Journalismus. Wenn ich Juwelier bin und Ihnen einen Diamanten verkaufe, tue ich das auch nicht nur dann, wenn Sie das glauben, was ich glaube. Die Aufgabe eines Journalisten ist es nicht, zu den Massen zu predigen. Der Juwelier soll Ihnen verkaufen, was Sie wollen, und der Journalist soll Ihnen die Wahrheit sagen. Mehr nicht.

Und auf die Frage hin, wie er Deutschland heute erlebt:

Wir haben hier den wirklich extremen Fall eines Landes, das kein Einwanderungsland war und plötzlich entschieden hat, eines zu sein. Durch die Straßen zu laufen und so viele Menschen Arabisch sprechen zu hören: Das ist schon eine extreme Veränderung. Der ganze Westen bewegt sich in eine Richtung – Gott weiß wohin -, doch Deutschland bewegt sich zehnmal so schnell.

Der Rest des Interviews ist ebenfalls sehr lesenswert.