500 Jahre Reformation

Schon den ganzen Tag überlege ich, ob ich etwas zum heutigen Reformationsjubiläum schreiben soll.

Aber ehrlich gesagt: An Luther trau ich mich nicht ran. Dafür hab ich viel zu wenig von ihm und über ihn gelesen. Und Luther ist nicht irgendein Thema. Dieser Mann hat nicht nur die Bibel ins Deutsche übersetzt. Wenn man die Lutherbibel liest, dann fallen einem immer wieder vertraute deutsche Wendungen auf. Der Grund dafür ist einfach: Luther hat die deutsche Schriftsprache mit seiner Bibelübersetzung überhaupt erst geschaffen. Generationen deutscher Denker haben dieses Buch gelesen. Und sie alle wurden von ihm und seiner Sprache geprägt.

Glücklicherweise hilft mir die Junge Freiheit aus meinem Dilemma und bringt heute ein äußerst lesenswertes Interview mit Dr. Heimo Schwilk, einem echten Lutherexperten: Er war ein konservativer Denker

Besonders gut gefällt mir folgende Aussage:

Die Vorstellung eines zürnenden Gottes war ihm mindestens so selbstverständlich wie das Liebes- und Erlösungsangebot Christi. So gesehen ist mein Buch auch gegen die Linie der Luther-Beauftragten Margot Käßmann gerichtet. Es zeigt den „harten“, den „paulinischen-augustinischen“ Luther, statt der weichgespülten Version, die uns von offizieller Seite präsentiert wird.

Zu einem ähnlichen Schluss komme ich, wenn ich mir die ersten von Luthers 95 Thesen anschaue.

Mir war diese ganze Alles-Ist-Gut-Mach-Was-Du-Willst-Hippie-Soße des zeitgenössischen Christentums schon immer sehr suspekt. Das klingt immer so nach einem völlig idiotischen Wohlfühlprogramm und man hat den Eindruck, dass man die Kinderversion des Christentums nie hinter sich gelassen hat.

Überhaupt hat man heute den Eindruck, dass die meisten Kirchen ihre Aufgabe nicht mehr darin sehen, die Aussagen der Bibel zu verstehen und nach außen zu tragen. Vielmehr scheinen sie damit beschäftigt zu sein, die Bibel und speziell die „krasseren“ Aussagen im Sinne der herrschenden politischen Moral umzudeuten.

Gerade die EKD ist in meinen Augen nur noch der spirituelle Arm der Grünen und ein schreckliches Beispiel dafür, wie eine moralische und religiöse Institution verfällt und sich ins Gegenteil dessen kehrt, was sie eigentlich sein sollte.

Herr Schwilk bringt das im Interview dann auch sehr schön auf den Punkt:

Also ist die Evangelische Kirche in Deutschland nicht mehr die Kirche Luthers?

Schwilk: Ich denke nein. Mir erscheint sie eher wie ein esoterischer Winkelverein für Leute, die gerne spirituell „kuscheln“ und eine Gemeinschaft ohne jede biblische Verbindlichkeit erleben wollen. Ein dünner Aufguß aus Pazifismus, Welt­umarmung, Sozialgläubigkeit. Nicht nur „Ehe für alle“, sondern auch Verständnis für alles und jedes, auch wenn es im Gegensatz zur geoffenbarten Wahrheit steht. Der heutige Protestant widmet sich lieber gesellschaftlich-emanzipatorischen Problemen als der Herausforderung des Glaubens, seinem Seelenheil.

Zum Ausklang des Tages noch Luthers heute von manchen Hippie-Christen als politisch unkorrekt betrachtetes Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“. Ein wunderschönes deutsches Kulturgut, wenn ihr mich fragt:

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Weshalb die Bibel auch heute noch relevant ist

Gerade in Europa ist das Christentum in unserer Zeit stark auf dem Rückzug und viele glauben die Bibel wäre ein überkommenes Buch, welches für unsere Zeit keine Relevanz mehr besitzt. Und viele konservativ denkende Menschen lassen sich sicher auch von den Kirchen abschrecken, die sich meist eher wie der theologische Arm der Grünen gebärden als wie die Vertreter einer zeitlosen und konservativen Lehre.

Doch gleich ob die Bibel für uns nun ein von Gott inspiriertes Werk oder doch nur die literarische Schöpfung einer uralten Zivilisation ist: Wenn wir uns darauf einlassen werden wir erkennen, dass dieses Buch einen gewaltigen Schatz an Wissen und Weisheit über die Natur des Menschen und sein Ringen mit dieser Welt für uns bereithält.

Selbst hielt ich die Bibel lange Zeit für eine Ansammlung völligen Blödsinns. Damals habe ich mich z.B. über diese und ähnliche Stellen in der Bibel aufgeregt:

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

Genesis 1,27

Es gibt Männer und Frauen. Unglaublich! Das nenn ich mal eine Neuigkeit. Diese und ähnliche „Selbstverständlichkeiten“ haben mich damals bewogen zu glauben, dass dieses Buch nichts gehaltvolles enthält und lediglich Offensichtliches und wildes Kauderwelsch zusammengeschrieben wurden. Irgendwie musste man die Seiten ja füllen und man hat es halt verschwurbelt wo es geht, damit es wichtig und mysteriös klingt.

Aber dann ist etwas unglaubliches passiert. Nichtmal 20 Jahre später finde ich mich wieder in einer Welt, in der diese Dinge, die für völlig trivial und selbstverständlich gehalten habe, plötzlich nicht nur angezweifelt, sondern sogar zunehmend als falsch dargestellt werden. Und als ob das noch nicht verrückt genug wäre, hat sich plötzlich ein Sprachcode etabliert, welcher es verbietet diesen Blödsinn öffentlich als solchen zu bezeichnen und der jeden, der es trotzdem tut als einen zurückgebliebenen Unmenschen hinstellt.

twogenders

Weiblicher Social Justice Warrior beim unkontrollierten Hyperventilieren, ausgelöst durch Realitätskontakt

Und so habe ich mich gefragt: Wenn das heute passiert; wenn so etwas völlig Verrücktes in dieser scheinbar aufgeklärten und von der Vernunft geleiteten Zeit passiert, kann das dann nicht auch in der Vergangenheit schon passiert sein? Kann es nicht sein, dass in der Vergangenheit schon so manche Zivilisationen diesen Weg gegangen sind und wir nur deshalb nichts davon wissen, weil sie anschließend so schnell aus der Geschichte verschwunden sind? Was wenn die Bibel solche scheinbar selbstverständlichen Dinge niederschreibt, weil wer immer sie geschrieben hat wusste, dass diese Dinge alles andere als selbstverständlich sind und schon viele Gesellschaften in die Irre gelaufen sind?

Viele Leute stoßen sich an diesem „bösen“ Gott in der Bibel, der die Menschen immer auf brutalste Art straft, sobald sie irgendetwas tun das entfernt Spaß machen könnte. Ich denke es ist besser diese Stellen metaphorisch zu lesen und dabei statt an einen „bösen“ Gott an eine Warnung zu denken, ausgestoßen von jemand der die Menschen vor einer Gefahr warnen will, die sie selbst erst sehen können wenn es schon zu spät ist.

Ich bin überzeugt, wenn man sich darauf einlässt ist die Bibel ein wertvoller kulturhistorischer Text, der sich aus den Lebenserfahrungen von Generationen speißt, Europa für mehr als 1500 Jahre geprägt hat und der uns viel über das Leben lehren kann. Ganz gleich was man über seine Entstehung nun glauben mag.