Hat Bannon wirklich den Verstand verloren?

Wer die Medienberichte der letzten Tage verfolgt hat, der kann über Steve Bannon nur den Kopf schütteln. Innerhalb einer Woche hat er so ziemlich jede Brücke niedergebrannt, die in seiner Reichweite war.

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Steve Bannon

Durch die Mitarbeit an dem umstrittenen Enthüllungsbuch Fire and Fury, welches Trump als unfähigen Idioten hinstellt, provozierte Bannon nach dem Verlust seines Jobs als Chefstratege des Weißen Hauses im August 2017 nun den endgültigen Bruch mit Trump.

Kurz darauf verlor er die Unterstützung der einflussreichen konservativen Milliardärin Rebekah Mercer.

Dies ist auch eine Gefahr für die von Bannon vor und nach seinem Job im Weißen Haus geleitete Nachrichtenseite Breitbart News. Nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten attackierten linke Gruppen das Geschäftsmodell von Breitbart News, indem sie Firmen dazu brachten, ihre über Werbenetzwerke gebuchte Werbung auf Breitbart zu blocken. War Breitbart News zuvor ein Aushängeschild für selbst finanzierte alternative Medien, so ist die Seite seitdem vom Geld der Familie Mercer abhängig.

Und jetzt hat Bannon auch noch seinen Job als Chef von Breitbart News verloren.

Aber warum dieser Angriff auf Trumps Präsidentschaft? Ich fand es immer gut und richtig, dass Breitbart unter Bannon Trumps Präsidentschaft kritisch begleitet hat. Immerhin kann man nicht ausschließen, dass gewisse Berater im Weißen Haus die Oberhand gewinnen und Trump irgendwann auf den Kurs der Demokraten einschwenkt. Das ist schließlich genau das Verhalten, das wir seit mehr als 20 Jahren bei angeblich „konservativen“ Politikern im gesamten Westen beobachten. Und auch gerade liefert Trump Anlass zur Kritik. So sieht es derzeit aus, als könnte er eine Amnestie für einen Teil der illegalen Einwanderer in den USA als Gegenleistung für den Bau der Grenzmauer zu Mexiko akzeptieren. Auch auf Twitter hat er diesbezüglich schon Andeutungen gemacht.

Das sollte man kritisch begleiten und da kann man auch mal sehr deutlich werden. Aber ein direkter Angriff auf Trumps Präsidentschaft und Äußerungen, die für ihn gefährlich werden könnten wie eine Aussage zu einem angeblichen Treffen von Donald Trump Jr. mit einer russischen Anwältin, in dem diesem Verrat vorgeworfen wird und von der sich Bannon mittlerweile wieder distanziert hat? Man hat den Eindruck Bannon weiß nicht was er tut.

Auch wenn man wachsam bleiben muss, Trump hat bisher nicht enttäuscht. Die Implementierung seiner America First Politik, die Steuerreform, die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels, sein Kampf für das Einreiseverbot. Trump ist seit fast einem Jahr Präsident und bisher kann man nun wirklich nicht behaupten, dass er vor dem Establishment einknicken würde. Trump verändert Amerika und er hat das Potential die Dominanz linker Ideen zu brechen wie kein Zweiter.

Man sollte den Mann unterstützen und sich zugleich eine gewisse kritische Distanz wahren.

Was Bannon da macht?

Man muss es nicht verstehen.

Steve Bannon zieht für Trump in den Krieg

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Steve Bannon (Gage Skidmore/Flickr)

Nach seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus wird Steve Bannon in der Presse zitiert mit Aussagen wie:

I’m Going to War for Trump

oder:

The Trump presidency that we fought for, and won, is over. We still have a huge movement, and we will make something of this Trump presidency. But that presidency is over. It’ll be something else. And there’ll be all kinds of fights, and there’ll be good days and bad days, but that presidency is over.

Interessanterweise berichtet Breitbart gleichzeitig von einem Treffen Bannons mit der Familie Mercer. Oberhaupt der Mercer-Familie ist der 71-jährige Robert Mercer, ein konservativer Milliardär, der Breitbart und weitere konservative Projekte finanziell großzügig unterstützt.

Ebenfalls gilt jetzt als bestätigt, dass Bannon zu Breitbart zurückkehrt. Nach wie vor wird behauptet, dass Bannon freiwillig gegangen ist. Ich glaube zu solchen Aussagen muss sich jeder selbst seine Meinung bilden.

Ich will hier auch gar nicht darüber spekulieren, was da möglicherweise vorgefallen ist. Mit Sicherheit kann man wohl nur sagen, dass es im Weißen Haus massive Auseinandersetzungen über den Kurs der US-Regierung gibt und Steve Bannon letztlich unterlegen ist. Da er weiter für Trump kämpfen will, gibt es wohl kein böses Blut zwischen den beiden, was durchaus bemerkenswert ist.

Steve Bannon sagt selbst, dass es von nun an eine andere Trump-Präsidentschaft geben wird. Ein wenig tue ich mich schwer damit, mir diese vorzustellen. Sehr wahrscheinlich werden jetzt andere Berater mehr an Einfluss gewinnen. Allerdings wird man wohl auch nicht befürchten müssen, dass Trump zu einem zweiten Jeb Bush mutiert.

Erst letzte Woche hat Bannon ohne Absprache verkündet, dass ein Krieg mit Nordkorea ausgeschlossen ist und China ohnehin das viel größere (nicht-militärische) Problem für die USA darstellt. Trump war nicht sehr erfreut über diese eigenmächtige Aussage. Was ja auch sehr verständlich ist, schließlich torpediert Bannon damit die Drohkulisse, die Trump gerade erst gegenüber Nordkorea aufgebaut hat und die Kim Jong Un – zumindest vorerst – zum Einlenken gebracht hat. So gesehen kann man wohl davon ausgehen, dass Trump Trump bleiben wird, auch wenn sich manche Schwerpunkte seiner Politik verschieben werden.

Insgesamt bin ich sehr gespannt was da als nächstes passieren wird, allerdings überwiegt bei mir momentan die Freude darüber, dass Steve Bannon wieder ins Medienbusiness zurück kehrt. Er hat Breitbart zu der Medienmaschine gemacht, die es heute ist und er hatte entscheidenden Anteil an Trumps Wahlsieg.

Zudem glaube ich, dass er schon lange einen Plan-B in der Tasche hat und ich wüsste zu gerne wie er aussieht. Sollte Robert Mercer sich großzügig zeigen, dann sind da sicher einige Dinge möglich. Nach Trumps Wahlsieg lief es bei Breitbart ja nicht mehr so richtig. Linke Gruppen haben Breitbarts Werbegeschäft großen Schaden zugefügt und die angekündigte Expansion nach Europa im Superwahljahr 2017 war ein einziger Rohrkrepierer.

Wenn es einer richten kann, dann Steve Bannon und vielleicht kann er Trump von außen sogar mehr nützen als von innerhalb des Weißen Hauses.

Welcome back, Steve!

Steve Bannon verlässt das Weiße Haus

Was für ne Woche. Da kommt man ja kaum noch hinterher. Charlottesville, Terror in Spanien, Terror in Finnland und jetzt verlässt auch noch Steve Bannon das Weiße Haus.

Da hatte sich ja schon was angekündigt und Trump hatte sich erst vor Kurzem mehrdeutig zu Steve Bannons Zukunft geäußert. Aber so wirklich hab ich nicht daran geglaubt.

Jetzt ist es leider Realität: Steve Bannon verlässt das Weiße Haus

Man darf jetzt sehr gespannt sein in wie weit das Trumps Politik verändern wird. Bannon vertritt ja die Linie, die Medien und den politischen Gegner sehr offensiv anzugehen und meiner Meinung nach ist das eine sehr gute Strategie, um den politischen Diskurs zu verschieben.

Bleibt zu hoffen, dass Trump jetzt kein völliges Weichspülerprogramm fährt und seiner grundsätzlichen Linie treu bleibt.

Steve Bannon will wohl zurück zur Nachrichtenseite Breitbart, die er vor seiner Ernennung zu Trumps Chefstrategen geleitet hat. Vielleicht ist das nicht mal das Schlechteste. Ich bin jedenfalls gespannt, was er da bewegen kann. Nachdem die Expansion nach Europa vorerst offensichtlich gescheitert ist und Breitbart durch linke Boykottaktionen die Einnahmen weggebrochen sind, gibt es dort sicher auch viel zu tun.