Wie die Linken die Welt nicht mehr verstehen

Eine Sache von großem Unterhaltungswert in diesen Tagen sind die Versuche linker Autoren und Denker, die sich rasant verändernde weltpolitische Lage zu verstehen. Selbst wenn sie, was gar nicht mal so selten ist, die richtigen Informationen und Erkenntnisse zur Hand haben, so ziehen sie aufgrund einer tief verwurzelten Denkweise, die die Welt so sehen möchte, wie sie sein sollte und nicht so, wie sie ist, doch am Ende immer wieder die falschen Schlüsse.

Ein sehr schönes Beispiel hierfür ist der Artikel Donaldisten aller Länder, vereinigt euch!, der vergangene Woche auf Spiegel Online erschienen ist.

Schon im Teaser offenbart der Autor seinen ideologischen Einschlag, der ihm die Sicht vernebelt, und der ihn im weiteren Verlauf des Artikels davon abhalten wird, zu einem tiefergehenden Verständnis der Situation zu gelangen, welches für unser aller Zukunft doch so wichtig ist:

„Die Welt ist keine globale Gemeinschaft, sondern eine Arena“, so hat es Donald Trump formuliert. Das letzte Mal, als die globalen Mächte so handelten, gab es zweimal Krieg.

Dieser böse Trump aber auch. Das letzte mal als die globalen Mächte so handelten folgten zwei Weltkriege. Dieser Satz ist zum einen Vorwurf, zum anderen spricht aus ihm aber auch die Überheblichkeit jener, die glauben aus der Geschichte gelernt zu haben.

Wären diese Leute aber tatsächlich so clever, wie sie zu sein glauben, dann würden sie erst einmal anfangen die richtigen Fragen stellen, ehe sie andere aus einem dumpfen Bauchgefühl heraus mit ihren moralgetränkten Vorwürfen überhäufen.

Da verändert sich in wenigen Jahren das Gefüge der Welt und diese Leute stellen nicht einmal die einfachsten Fragen.

Ist es wirklich zu viel verlangt sich angesichts dieser epochalen Veränderung die simple Frage zu stellen, was sich verändert hat? Ist es zu viel verlangt sich zu fragen, welche grundlegenden Veränderungen im Gange sind, die diesen großen Verwerfungen unserer Zeit zugrunde liegen?

Und wenn sie wirklich clever wären, dann würden sie sich sogar fragen, welches die Säulen waren, auf denen die vergehende Weltordnung errichtet worden ist.

In der Einleitung führt der Autor seinen Gedanken weiter aus:

Es waren harte Worte, sie klangen seltsam gestrig, und sie vermittelten einen Eindruck vom außenpolitischen Denken Donald Trumps. „Die Welt ist keine globale Gemeinschaft, sondern eine Arena“, teilte er mit. Eine Arena, in der harte Konkurrenz herrsche. Nationen, Unternehmen und andere Nichtregierungsakteure stünden dort im Wettbewerb, um Vorteile zu erringen. Dies sei die „elementare Natur der internationalen Beziehungen, und wir befürworten das“.

Wir lernen also, dass das Denken Donald Trumps „seltsam gestrig“ ist. Diese Behauptung erzählt uns mehr über den Autor dieses Artikels als über den US-Präsidenten. Er hängt offensichtlich der bei Linken sehr beliebten Idee von einem ständigen Fortschritt der Geschichte an, wobei dieser „Fortschritt“ in der Regel natürlich durch die sukzessive Übernahme linker Ideen gekennzeichnet ist. Selbst wenn man den Fehler macht, linke Ideen mit Fortschritt gleichzusetzen, so genügt noch immer selbst eine oberflächliche Betrachtung der Geschichte der letzten 2000 Jahre um zu erkennen, dass es hier keine gerade Linie zu erkennen gibt – ganz im Gegenteil.

Zudem macht der Autor den Fehler, diese Denkweise nur Donald Trump zuzuschreiben. Hinter Donald Trump alleine stehen knapp 63 Millionen Wähler. Und in der gesamten westlichen Welt wird man viele weitere Millionen von Menschen finden, die diese Denkweise teilen.

Und auch wenn sich die Chinesen aus pragmatischen und diplomatischen Gründen oftmals zurückhaltend zeigen, so ist es doch diese Denkweise, die ihre Politik schon seit Jahrzehnten prägt. Über Putins Russland muss man in diesem Zusammenhang wohl keine weiteren Worte verlieren.

Wer gerne Fragen stellt, der könnte sich jetzt natürlich fragen, was mögliche und tiefer liegende Gründe dafür sind, dass diese Strömung weltweit an Zustimmung gewinnt.

Stattdessen wird wieder die Geschichte bemüht:

Wer die Welt als Arena betrachtet, tut sich schwer, Bedrohungen für die globale Sicherheit abzuwenden. Dazu braucht es Institutionen, verbindliche Regeln, internationales Recht, Interessenausgleich. Dies ist eine zentrale Lehre aus der Geschichte: Internationale öffentliche Güter lassen sich nur durch dauerhafte internationale Zusammenarbeit schaffen. Wenn jeder nur versucht, für sich selbst das meiste herauszuholen, wird die Welt ein unsicherer Ort. Das Arena-Denken des 19. Jahrhunderts führte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den Weltkriegen und zum Zusammenbruch der weltwirtschaftlichen Integration.

Das wäre durchaus löblich, wenn man denn den Willen hätte, die Gründe für die damaligen Verwerfungen zu verstehen. Denn nur indem man die Gründe versteht, hat man überhaupt den Hauch einer Chance, zukünftige Katastrophen zu verhindern.

Stattdessen aber bleibt man an der Oberfläche. Man hält die Wirkung für ihre eigene Ursache und bemüht sich gar nicht mit dem Versuch, die Dinge wirklich zu ergründen.

Und selbst wenn man die Ursache direkt vor der Nase hat kann – oder will – man sie nicht als solche erkennen:

Als Reaktion auf dieses Desaster entstand nach 1945 eine internationale Ordnung, getragen von starken internationalen Institutionen: Uno, Weltbank, Währungsfonds, das Welthandelsabkommen Gatt und sein Nachfolger WTO, um nur die wichtigsten zu nennen. Im Laufe der Jahrzehnte schlossen sich immer mehr Länder solchen Institutionen an. Maßgeblich gestützt wurden sie von den USA – nicht aus Altruismus, sondern aus langfristigem Eigeninteresse.

Diese Organisationen wurden von den USA nicht nur gestützt. Sie waren Teil der von den USA geschaffenen Weltordnung. Die USA waren seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und vor allem nach dem Ende der Sowjetunion geopolitisch so dominant, dass sie ihre Verbündeten und zum Teil auch ihre Feinde über solche Organisationen an sich binden konnten.

Die enorme damalige Machtfülle und die praktische Unmöglichkeit eines Krieges zwischen den Supermächten aufgrund der Existenz der Atombombe machten die USA zum ersten Weltreich, das seine Macht zum überwiegenden Teil durch Soft Power ausübte.

Die vergehende Weltordnung war kein Akt der Vernunft, als den man sie natürlich propagandistisch wunderbar verkaufen kann. Sie war eine Institution des Machterhalts, so wie jede andere Weltordung vor ihr auch.

Und in den Grundzügen scheint der Autor die Problematik sogar irgendwie zu erkennen:

Jetzt ist diese Ordnung in Auflösung. Schuld daran ist nicht allein Donald Trump, aber er beschleunigt den Verfall.

Genau! Trump ist nicht der Auslöser. Er hat nur als erster erkannt, dass die Macht der USA schwindet. Dies bedeutet, dass sie nicht mehr über den Dingen schweben, sondern langsam aber sicher wieder in den offenen Wettbewerb mit allen anderen Großmächten der Welt eintreten. Deshalb hat Trump auch recht, wenn er sagt, dass die Welt eine Arena ist. Die Dominanz der USA geht zu Ende und die Welt kehrt zurück zu ihrer natürlichen Ordnung.

Die Herrschaft einer mehr oder weniger unangreifbaren Weltmacht ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Es stimmt schon: Weltpolitik ist ein enorm schwieriges Geschäft geworden. Anders als nach dem Zweiten Weltkrieg gibt es keine Supermächte mehr, die ihre jeweiligen Einflusssphären, im Zweifel mit Gewalt, stabilisieren konnten. Heute ist Macht auf dem Globus viel weniger konzentriert als damals; große Staaten wie China sind zu schlagkräftigen Akteuren aufgestiegen.

In den 90ern sehnten viele eine „multipolare Welt“ herbei. Hier habt ihr sie. Doch seid gewarnt, sie ist sehr wahrscheinlich nicht das, was ihr euch erhofft habt.

Und jetzt kommt ein Satz wie eine zugespitzte Szene in einem Actionfilm:

Selbst wenn sie wollten, die USA allein können gar nicht mehr als globale Ordnungsmacht auftreten.

Um Haaresbreite ist unser Held nicht an einem klaffenden Abgrund, dafür aber an einer Erkenntnis vorbeigeschrammt.

Genau. Die alte Weltordnung basierte auf der Macht der USA. Heute konkurrieren Russland und China mit den USA mehr oder weniger offen um eigene Einflussbereiche.

Wenn der Autor uns dann seine Lösung für die Misere präsentiert, zeigt er, dass er einfach nicht loslassen kann:

Erstens sollten die wichtigsten Staaten der Erde gemeinsam internationale Regelwerke und Institutionen etablieren. Sie sollten die Nachkriegsordnung weiterentwickeln und sie an die heutigen Bedürfnisse anpassen. Wenigstens auf den wichtigsten Politikfeldern würden sie somit als „globale Gemeinschaft“ agieren.

Und auch wenn an diesem Lösungsvorschlag nicht alles falsch ist, so zeigt sich auch hier wieder diese idealistisch verklärte Weltsicht. Es gibt keine „globale Gemeinschaft“ und außerhalb des linken Weltbilds hat es diese auch nie gegeben.

Und so wie ein Rechtsstaat nur deshalb funktioniert, weil es mit dem Staat eine Ordnungsmacht gibt, die die Gesetze notfalls mit Gewalt durchsetzt, so hat die sich gerade vor unseren Augen auflösende Ordnung nur deshalb funktioniert, weil es eine entsprechende Ordnungsmacht gegeben hat.

Die Realität heute aber ist eine andere.

Russland will geopolitischen Einfluss zurück gewinnen. China will zur Weltmacht aufsteigen, was es nicht zuletzt durch ein sehr ambitioniertes Programm zum Bau moderner Flugzeugträger deutlich macht.

Derweil befinden sich die USA in einer Art Schwebezustand. Sie sind viel zu mächtig, als dass man sie einfach abschreiben könnte. Allerdings wird den Amerikanern langsam bewusst, dass ihre besten Zeiten bereits hinter ihnen liegen könnten. Die Wahl Donald Trumps kann man in sofern als eine Panikreaktion deuten. Nicht umsonst wählte Trump für seine Kampagne den Slogan „Make America Great Again!“ und obwohl dieser Slogan mehr als 30 Jahre zuvor bereits von Ronald Reagan verwendet wurde, hat er auch in unserer Zeit unbestreitbar einen Nerv getroffen.

Wenn wir Pech haben, dann könnte uns die eigentliche Panikreaktion auf den Niedergang der USA als Weltmacht aber auch noch bevor stehen.

Die Herausforderung für die Zukunft besteht jedenfalls darin, die Interessen eines wirtschaftlich schwachen aber nach geopolitischer Bedeutung dürstenden Russlands, eines vor Kraft strotzenden Chinas und eines zutiefst verunsicherten Amerikas unter einen Hut zu bekommen.

Ein bloßes Festhalten an einer rasch vergehenden Ordnung und ihrer Institutionen wird uns dabei aber genauso wenig weiter bringen wie die falsche Deutung der Vergangenheit.

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Das Nordkorea-Problem

Die USA und Nordkorea befinden sich derzeit in einer massiven Konfrontation. Nordkoreas Diktator Kim Jong-un droht unverholen, die zu den USA gehörende Pazifikinsel Guam mit Raketen zu beschießen und prahlt mit seinem Nuklearprogramm und seinen Langstreckenraketen, die möglicherweise Nordamerika erreichen können (sie wurden auf kürzere Distanz getestet, haben aber laut unabhängiger Berechnungen eine Reichweite von 10.000 km).

US-Präsident Trump weist Kim Jong-un dagegen in matrialischen, ja geradezu biblischen, Worten darauf hin, dass auf einen solchen Angriff eine für Nordkorea verheerende militärische Antwort folgen würde:

“North Korea best not make any more threats to the United States. They will be met with fire, fury and, frankly, power the likes of which this world has never seen before.”

Viele sind jetzt besorgt und das nicht zu Unrecht. Die Situation ist tatsächlich sehr ernst.

Aber schauen wir uns doch zuerst einmal an, wie wir überhaupt in diese Situation gekommen sind, bevor wir weitere Überlegungen anstellen.

Die Geschichte der zwei Koreas

Das damals noch geeinte Korea wurde 1910 vom Kaiserreich Japan annektiert. Die Japaner unterdrückten die Koreaner und ihre Kultur und beuteten das Land brutal aus. Defacto war Korea eine japanische Kolonie. Nachdem der Zweite Weltkrieg in Asien am 15. August 1945 mit der Kapitulation Japans endete, wurde Korea zwischen den USA und der Sowjetunion entlang des 38. Breitengrads aufgeteilt.

Das ursprüngliche Ziel war die friedliche Wiedervereinigung der beiden Staaten. Nachdem die meisten US-Truppen das Land verlassen hatte, kam es 1950 stattdessen zu einer Invasion Südkoreas durch die Kommunisten aus dem Norden, angeführt vom nordkoreanischen Premierminister Kim Il-sung, dem Großvater des heutigen Machthabers Kim Jong-un.

Schnell gelang es den Kommunisten fast die gesamte koreanische Halbinsel zu erobern. Kurze Zeit später wendete sich das Blatt, als die UN-Truppen unter einem massiven Aufgebot der USA zum Gegenschlag ausholten. So schnell wie der Norden den Süden überrannt hatte, so schnell drängte die von den USA geführte Allianz die kommunistischen Aggressoren aus dem Norden zurück. Innerhalb kürzester Zeit befreiten die UN-Truppen nicht nur Südkorea, sondern eroberten auch den größten Teil Norkoreas und drängten die Kommunisten bis in die Nähe der chinesischen Grenze zurück.

Der Sieg über die Kommunisten war schon zum Greifen nah, da trat China verdeckt aber mit einem gigantischen Aufgebot an Menschen und Material in den Krieg ein. Die technisch überlegenen US-Truppen wurden von einer chinesischen Übermacht wieder bis zum 38. Breitengrad zurückgedrängt und nach erbitterten und für alle Seiten verlustreichen Kämpfen endete der Krieg 1953 mit einem Waffenstillstandsabkommen. Da darüber hinaus nie ein Friedensvertrag geschlossen wurde, befinden sich Nord- und Südkorea offziell nach wie vor im Krieg.

Im Koreakrieg starben auf Seiten der UN-Truppen ca. 180.000 – 210.000 Soldaten, während Nordkorea und China ca. 370.000 – 750.000 tote Soldaten zu beklagen hatten. Die meisten Opfer forderte der Krieg unter der Zivilbevölkerung. Im Koreakrieg kamen auf beiden Seiten mehr als 2 Millionen koreanische Zivilisten ums Leben.

Hier eine sehr gut gemachte Animation vom Frontverlauf des gesamten Koreakriegs:

Nach dem Ende der Kampfhandlungen wurde zwischen beiden Staaten 1953 am 38. Breitengrad eine demilitarisierte Zone eingerichtet. Auf beiden Seiten dieser Zone befinden sich massive Befestigungsanlagen der beiden einander feindliche gesinnten Bruderstaaten, die sich von dort aus seit mehr als 60 Jahren kritisch beäugen. Noch heute sind in Südkorea über 50.000 US-Soldaten stationiert, die im Fall der Fälle bereit stehen, um das Land gegen eine erneute Invasion aus dem Norden zu verteidigen.

Die südkoreanische Hauptstadt Seoul befindet sich keine 60 km entfernt von der demilitarisierten Zone. Direkt hinter der nordkoreanischen Seite der Grenze befinden sich tausende von Artilleriegeschützen, die auf die 10-Millionen-Einwohnerstadt ausgerichtet sind und sie jederzeit unter Beschuss nehmen können.

Nordkorea ist heute eine militärisch hochgerüstete (1,2 Millionen aktive Soldaten) und stalinistisch geprägte Diktatur mit einem ans Absurde grenzenden Personenkult. Obwohl schon 1994 verstorben, gilt Kim Il-sung noch immer als offizielles Staatsoberhaupt.

Die Macht im Staate wurde bisher an die Nachfahren Kim Il-sungs vererbt und um die Nachfolger wird ein ähnlicher Personenkult betrieben. Nach 1994 wurde die Macht an Kim Il-sungs Sohn Kim Jong-il übergeben. Als dieser Ende 2011 starb, wurde er von seinem Sohn Kim Jong-un beerbt, der noch immer die Fäden in der Hand hält und nun die Konfrontation mit den USA sucht.

Jede Form von politischem Dissens wird in Nordkorea brutal unterdrückt. Wer sich gegen die Regierung äußert oder ihr gegenüber auch einfach nicht enthusiastisch genug ist riskiert, dass er und im Schlimmsten Fall seine ganze Familie in einem der Todeslager des Landes verschwindet, in denen ein Großteil der Häftlinge durch Hunger und Arbeit ums Leben kommt.

Nordkorea ist heute im Besitz von Nuklearsprengköpfen und seit neustem verfügt das Land auch über Langstreckenraketen. Schon in früheren – damals noch sehr absurd wirkenden – Äußerungen, versuchte Kim Jong-un die USA militärisch herauszufordern.

Das Nordkorea-Dilemma

Der Westen steht in Korea seit dem Kriegseintritt der Chinesen 1950 dem immer gleichen Dilemma gegenüber:

  1. Entweder geht man ein extremes Risiko ein und erzwingt damit (falls es gut ausgeht) den Sieg
  2. Oder man verwaltet den Status Quo und vermeidet dieses Risiko

Schon Ende 1950, nach dem Kriegseintritt Chinas, dachte man in den USA über den Einsatz von Nuklearwaffen gegen die Chinesen nach. Das hört sich erst einmal völlig wahnsinnig an, denn wie leicht hätte die Sowjetunion in den Konflikt hineingezogen werden, die bereits Anfang 1950 einen offiziellen Beistandspakt mit China hatte und wie leicht hätte es zum dritten Weltkrieg kommen können?

Möglicherweise war es eine völlig wahnsinnige Idee. Doch was, wenn es funktioniert hätte? Was, wenn der Einsatz von Nuklearwaffen auf der koreanischen Halbinsel oder gar innerhalb Chinas zu einem Rückzug der Gegner der USA geführt hätte?

Der Terror der koreanischen Kommunisten hätte Anfang der 1950er geendet. Die nordkoreanischen Todeslager würden heute schon sehr lange nicht mehr existieren. Generationen von Koreanern hätten ihr Leben weder unter kommunistischer Gewaltherrschaft verbracht, noch hätte sie sich ständig vor einem heute vielleicht noch ausstehenden Krieg fürchten müssen.

Nach dem Waffenstillstand gab es ein neues aber ganz ähnliches Dilemma. Zum einen hob China seine schützende Hand von nun an über Nordkorea und zum anderen ist das Land seitdem in der Lage, Seoul mithilfe von Artillerie in kürzester Zeit in Schutt und Asche zu legen.

Das Ergebnis ist: Die Kim-Dynastie kann in Nordkorea machen was sie will, sie ist für die USA unberührbar. Egal welche Menschenrechtsverletzungen sie auch begeht und egal welche Provokationen von ihr ausgehen, man kann sie nicht zur Rechenschaft ziehen. Denn würde man dies versuchen, dann hätte man schon vor dem ersten nordkoreanischen Atombombentest im Jahr 2006 Millionen Tote auf der koreanischen Halbinsel riskiert.

Lange Zeit schien es vielversprechend, einer Konfrontation mit Nordkorea aus dem Weg zu gehen. Man konnte hoffen, dass das nordkoreanische Regime irgendwann von selbst kollabiert. Es war sehr wahrscheinlich, aber leider ist es nicht passiert. Die Terrorherrschaft der nordkoreanischen Kommunisten dauert noch immer an und es scheint kein Ende in Sicht.

In den 90ern versuchte Bill Clinton Nordkorea über Verhandlungen und mithilfe des Atomwaffensperrvertrags von der Entwicklung nuklearer Kapazitäten abzuhalten. Diese Strategie scheiterte und 2006 führte das Land während der Präsidentschaft von George W. Bush seinen ersten Atomtest durch. Bush griff das Land verbal an aber hielt sich bis auf die Einführung von Sanktionen sonst weitgehend zurück. Sein Nachfolger Obama versuchte das Land zu ignorieren, doch auch das hat nicht wirklich zu einer Besserung der Situation beigetragen.

Mittlerweile hat Nordkorea nicht nur seine Nuklearsprengköpfe weiterentwickelt, es verfügt auch über immer beängstigendere Trägerraketen, die einen nuklearen Angriff auf die USA zu einer realistischen Möglichkeit werden lassen.

Was jetzt?

Viele werfen Trump vor er würde eskalieren und unterstellen, er wäre das Problem. Ist sein Kurs der richtige? Ich weiß es nicht! Doch ich weiß, dass weitere Beschwichtigungen mittel- bis langfristig auch nichts bringen, denn das haben die letzten 60 Jahre bewiesen.

Und das eigentliche Problem ist doch nicht Trump, wie so viele jetzt meinen. Das Problem ist ein ganz anderes.

In Nordkorea herrscht ein sehr von sich selbst überzeugter und äußerst brutaler Diktator. Er verfügt über Nuklearwaffen und wenn nicht jetzt, dann zumindest schon bald über Trägerraketen, mit denen er sie überall auf der Welt ins Ziel bringen kann. Und man kann nicht ausschließen, ja muss vielleicht sogar fast annehmen, dass er längst seine eigene Propaganda glaubt.

Das und nicht Trump ist das wahre Problem und es ist das, was uns wirklich Sorgen bereiten sollte.

Sechzig Jahre lang haben die Präsidenten der USA ein Problem vor sich hergeschoben. Und die Gründe dafür waren gewiss nicht die Schlechtesten. Doch es hat alles nichts genützt. Nordkorea ist eine Nuklearmacht und es wird seine neuen Fähigkeiten nutzen, um die Welt zu erpressen. Ein ähnliches Problem wird im Iran vermutlich noch auf uns zukommen und spätestens wenn Südkorea und Japan als Reaktion auf die nordkoreanische Bedrohung eigene Trägersysteme und Nuklearwaffen entwickeln ist die Antiproliferationspolitik endgültig gescheitert.

Interessanterweise wies Trump schon 1999 auf das Problem mit Nordkorea hin:

Er meint, dass man jetzt etwas tun muss und nicht erst in 5 Jahren, wenn Nordkorea über Sprengköpfe und Raketen verfügt und er bejaht die Frage des Reporters, ob man Nordkoreas Nuklearprogramm auf ähnliche Weise ausschalten soll, wie Israel dies 1981 im Irak getan hat. Damals zerstöre ein Geschwader der israelischen Luftwaffe durch einen Überraschungsangriff den irakischen Kernreaktor Osirak.

Hätte man Nordkorea in den 90ern mit militärischer Gewalt vom Bau der Bombe abhalten und einen konventionellen Krieg auf der koreanischen Halbinsel riskieren sollen? Vielleicht, vielleicht nicht. Nordkorea ist nichts als ein Dilemma!

China expandiert in Afrika

Ein interessanter Bericht im Spiegel: China eröffnet Militärbasis in Dschibuti.

Schon länger „engagieren“ sich die Chinesen in Afrika. Während Europa und zum Teil auch die USA von einem naiven Moralismus befallen sind, nutzen die Chinesen das langsam entstehende Machtvakuum und setzen eine langfristig und klug angelegte Strategie um, die sie am Ende zur nächsten Weltmacht machen könnte.

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Der Bau eigener Flugzeugträger und konkurrenzfähiger Stealth-Flugzeuge oder etwa die aggressive Durchsetzung chinesischer Territorialansprüche sind dabei nur die prominentesten von vielen weitsichtig geplanten Schritten, die die Chinesen geduldig und diszipliniert durchexerzieren.

Willkommen in der „multipolaren“ Welt

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie viele Ende der 90er nach dem Ende des Kalten Krieges und unter der US-Regierung von Bill Clinton auf eine zukünftige „multipolare“ Welt gehofft haben. Viele Linke, aber leider auch nicht wenige Konservative glauben ja, dass der böse Ami ein übler Kriegstreiber ist und die Welt nach dem Abgang der USA als Weltmacht zu einem Utopia würde, in dem der Weltfriede ein alternativloser Dauerzustand ist. Würden die bösen Amis nämlich aufhören ständig irgendwelche Kriege anzuzetteln, dann würde es ja kein anderer mehr tun.

Die Wahrheit sieht natürlich ganz anders aus. Mangels einer globalen ordnenden Autorität, die sich zu den Staaten der Welt verhält wie ein Staat zu seinen Bürgern, herrscht zwischen Staaten immer in irgendeiner Form das Recht des Stärkeren. Heute scheint es vielen, als ob das nicht mehr der Fall wäre und die Welt auf dem Weg zu einer Art zwischenstaatlichen Rechtsstaatlichkeit wäre. Dies war aber schon immer ein Trugschluss. Tatsächlich sind die USA die Weltmacht oder auch das „Imperium“ unserer Zeit. Diese Feststellung ist völlig wertfrei.

Eine Weltmacht sorgt für eine gewisse Ordnung und verhindert durch ihre Dominanz den Ausbruch größerer Kriege. Wird eine Weltmacht herausgefordert, so kann es natürlich auch zu regionalen Kriegen kommen. Der anfangs ungehinderte Aufstieg des Islamischen Staates gibt uns einen Vorgeschmack darauf, wie es in einer Welt aussieht, in der es keine Weltmacht mehr gibt.

Seit der Mensch in der Lage ist größere Distanzen (also ganze Kontinente oder gar Weltmeere) zu überwinden, befindet sich die Welt (etwas vereinfacht gesagt) immer in einem von zwei Zuständen:

  • Es gibt eine Weltmacht, die alle anderen Staaten der Welt mehr oder weniger beherrscht. Z.B. das Römische Reich, das British Empire oder die USA nach dem Ende des kalten Krieges.
  • Es gibt mehrere Großmächte, die die Welt unter sich aufteilen und von denen jede mehr oder weniger danach strebt, Dominanz zu erlangen und zur nächsten Weltmacht zu werden. Im Kalten Krieg sahen wir auch zwei Supermächte, die beide die Welt hätten beherrschen können, die aber durch die Existenz der Atombombe bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion in einem Patt gefangen waren.

Wer sich jetzt also eine „multipolare“ Welt wünscht, der wird letztlich sehr enttäuscht sein. Denn alles was er bekommen wird ist eine neue Auseinandersetzung zwischen den bereits bekannten und möglichen neu entstehenden Großmächten.

Erste Anzeichen für das Heraufbrechen einer solchen zukünftigen Weltordnung sehen wir heute vor allem am Verhalten von Russland und China.

Putin testet die USA

Als Putin 2013 als einziger Staatschef der Welt bereit war Snowden aufzunehmen und vor dem Zugriff der USA zu schützen, da tat er das gewiss nicht aus Menschlickeit. Putin sah die Schwäche der USA unter Obama und er sah die Chance, die USA zu testen. Die Provokation glückte und die USA konnten ihn mit ihren Sanktionen bis heute nicht in die Knie zwingen. Er ging einen Schritt weiter und annektierte die Halbinsel Krim. Der Kampf mit Geheimarmeen im Osten der Ukraine war für Putin dagegen kein Selbstläufer und vor einer offenen russischen Invasion schreckt er zurück. Gleichzeitig tritt Russland in Syrien als Großmacht auf und versucht hier wieder weltpolitischen Boden gut zu machen.

Der lange Atem des Drachen

Das Vorgehen der Chinesen ist dagegen meist subtiler. Sie nutzen die Macht ihrer Wirtschaft um weltweiten Einfluss zu erlangen und modernisieren Schritt für Schritt ihr Militär. Zudem verfügt China über die mit Abstand größte Landarmee der Welt.

Noch hindern die USA die Chinesen weitgehend daran, ihre territorialen Ansprüche in Südostasien konsequent durchzusetzen. Doch auch die Chinesen sehen die Schwäche der USA und ihre stärkste Waffe ist ihre Geduld.

Quo vadis, USA?

Viel hängt jetzt davon ab, ob Donald Trump bezüglich des weltpolitischen Niedergangs der USA eine Kehrtwende einleiten will und kann oder ob er vielleicht sogar ganz bewusst auf Isolation setzt. Verlieren die USA ihren Status als Weltmacht, so wird im Großen Spiel der Geostrategen eine neue Runde anbrechen.

Wie in Europa, so macht sich auch in den USA eine Moral breit, die die geopolitischen Realitäten leugnet und die versucht, die Welt ihren naiven Wunschvorstellungen untertan zu machen.

Die entscheidende Frage wird letztlich sein, ob die Vernunft wieder die Oberhand gewinnt, oder ob die USA den Weg Westeuropas gehen.

Wer wird die neue Weltmacht?

Die USA stehen am Scheideweg und Westeuropa macht den Eindruck, sich eher von Afrikanern in Gummibooten kolonialisieren zu lassen, als dass es jemals wieder eine vernünftige geopolitische Strategie entwickeln würde.

Währenddessen bringen sich Russland und China in Position für eine Zukunft, in der die Macht der USA schon bald rapide schwinden könnte. Russland ist militärisch stark, leidet aber an einem Bevölkerungsproblem und hat zudem massive wirtschaftliche Defizite. China dagegen verfügt über eine starke Wirtschaft, das Land wird aber zugleich von massiver wirtschaftlicher Ungleichheit geprägt, die das Land in Zukunft destabilisieren könnte. Außerdem hat China aufgrund der etwas zu erfolgreichen Ein-Kind-Politik der Vergangenheit das Problem einer alternden Bevölkerung und zudem gibt es (aus als Folge der Ein-Kind-Politik) einen Männerüberschuss. China und Russland zeigen hier beide, dass Bevölkerungspolitik und Sexualmoral wichtige Stellschrauben sind, die mit über den Aufstieg oder den Fall von Zivilisationen entscheiden.

China ist im Moment für die Zukunft am besten aufgestellt, wird aber seine internen Problem lösen müssen. Die Geduld der Chinesen könnte sich am Ende auszahlen. Sie werden es mit ihrer starken Wirtschaft relativ einfach haben ihr Militär zu modernisieren. Der Aufbau der russischen Wirtschaft ist dagegen ein deutlich schwierigeres Unterfangen. Vielleicht wird am Ende auch eine Macht das Rennen machen, die bisher noch niemand auf dem Schirm hat.

Eins aber ist sicher: Die Großmächte der Welt sehen die selbstverschuldete Schwäche des Westens und sollte sie andauern, so werden sie sie gnadenlos ausnutzen. Und wer könnte es ihnen auch verdenken?