Martins Karriere ist vorerst gerettet

Na da hat Martin Schulz aber nochmal Glück gehabt. Sage und schreibe 56,4% der Delegierten des Sonderparteitags der tief gespaltenen SPD stimmen für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Union.

Das ist natürlich kein Ergebnis, wie es Martin Schulz gewohnt ist. Als es für ihn in der EU nicht mehr so richtig rund lief, da war ihm klar: Die Zeit für eine berufliche Veränderung ist gekommen. Zufällig stand gerade die Bundestagswahl vor der Tür und wer wollte nicht schon einmal den Top Job des Bundeskanzlers abgreifen? Eine dicke Bezahlung, Geschäftsreisen an die schönsten Orte der Welt, dazu Ruhm, Macht und jede Menge Prestige. Wer würde da nein sagen? Ein politischer High Performer wie Martin ganz bestimmt nicht!

Gesagt getan. Und die Partei liebte ihn. So wurde er dann letztes Jahr von unglaublichen 100% der Delegierten zum Kanzlerkandidaten der SPD gewählt. Es schien als wäre eine Legende geboren, ein Ausnahmepolitiker, wie es nur wenig gibt. Manche Beobachter sprachen sogar schon von „nordkoreanischen Verhältnissen“. Und Martin gefiel sich in der Rolle der Sonne der SPD.

Doch noch bevor der Schulzzug außerhalb der SPD-eigenen Teststrecke so richtig an Fahrt aufnehmen konnte, da zeigten sich die ersten Probleme.

Den Untergebenen mangelte es teilweise an der notwendigen Begeisterung für den neuen Chef,

Landtagswahlen endeten mit einem wenig begeisterndem Ergebnis und auch der Wähler verstand nicht so ganz, was genau sich die SPD unter dem im Wahlkampf stark strapazierten Begriff „Gerechtigkeit“ – jenseits gerechter Gehälter für ihre Funktionäre natürlich – denn nun genau vorstellt.

Und so eilte der Schulzzug bis zur Wahl mit einer Leichtigkeit von Panne zu Panne, dass man fast hätte glauben können, die SPD hätte seinen Betrieb an die Deutsche Bahn outgesourced. Wenig überraschend endete das Ganze bei der Bundestagswahl am 24. September 2017 für die SPD mit einem mageren Ergebnis von nur 20,5%.

Zu wenig, um den Kanzler zu stellen und zudem das schlechteste SPD-Ergebnis bei einer Bundestagswahl überhaupt.

Nicht wenige Karriereberater hätten Martin an diesem Punkt empfohlen es gut sein zu lassen und sich schon mal Gedanken über den Ruhestand zu machen. Doch Martin wäre nicht Martin, wenn er so leicht aufgeben würde.

Schon in der Wahlnacht verkündete er stolz, ab sofort den Job des Oppositionsführers im neuen Bundestag zu übernehmen. Er würde der neuen Regierung ordentlich einheizen und zugleich der ekligen AfD die Show stehlen. Ein Job ganz nach Martins Geschmack.

Jeder Versuch der Einführung einer Obergrenze würde unabhängig von allen Finanzierungsfragen an der mächtigen parlamentarischen Opposition unter seiner Führung zerschellen und zugleich würde die AfD von einer wieder für „Gerechtigkeit“ sorgenden SPD in die politische Bedeutungslosigkeit katapultiert werden. Mit etwas Glück wäre die SPD vier Jahre später sogar in der Lage Martin seinen sehnlichsten Karrierewunsch zu erfüllen: Endlich Bundeskanzler werden!

Doch so kam es leider nicht. Der Versuch einer Regierungsbildung ohne die SPD scheiterte. Aus der Traum von der Rolle des Oppositionsführers und des Wiederaufbaus der SPD in der Opposition. Aber auch hier bieten sich Martin bisher ungeahnte Karrierechancen.

Wenn es schon nicht als Bundeskanzler oder Oppositionsführer geklappt hat, dann muss für Merkels Machterhalt zumindest ein Ministerposten und der Vizekanzler rausspringen. Das bringt nicht ganz so viel Prestige wie der Job des Kanzlers, aber ein fetter Dienstwagen und eine angemessene Medienpräsenz können einen über einige Mühsal hinwegtrösten. Außerdem wird Merkel nicht ewig regieren und wer sich hier gut in Position bringt, der hat bei der nächsten Bundestagswahl gute Chancen auf ein Karriereupgrade.

Auch wenn das heutige Abstimmungsergebnis von berauschenden 100% weit entfernt ist, so hat Martin die SPD in schweren Zeiten wieder auf GroKo-Kurs gebracht. Diesen für Angela Merkel immens wichtigen Erfolg sollte er seiner künftigen Chefin nicht zu billig verkaufen.

Aber was rede ich da.

Martin weiß das.

Denn mit Karriere, da kennt er sich aus.

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Mit dem Rüstungsexportverbot zum Weltfrieden

Im gutmenschlichen Deutschland wird immer wieder diese Idee des totalen Verbots von Rüstungsexporten ins Spiel gebracht.

Mich schockiert dabei immer, wie grenzenlos naiv die Leute sind und wie dieses Thema zugleich moralisch aufgeladen wird. Man könnte meinen, Deutschland wäre der Nabel der Welt und ohne Waffen aus Deutschland wären Kriege quasi unmöglich.

Keine Idee scheint dämlich genug, dass man sie nicht verwenden könnte, um dem eigenen Land eine geradezu groteske moralische Verantwortung für das Wohl der ganzen Welt aufzubürden.

warlord

Das Ganze geht so weit, dass man die deutschen Rüstungsexporte sogar für die Flüchtlingskrise verantwortlich macht. So nach dem Motto:

Wegen unserer Waffenexporte gibt es überall auf der Welt plötzlich Kriege und deshalb fliehen die jetzt alle zu uns. Wir müssen jetzt Buße tun für unsere Sünden. Deshalb sind wir moralisch verpflichtet, die alle bei uns aufzunehmen.

Wären wir nicht so furchtbar schlechte Menschen, die mit dem Leid anderer Geld verdienen, dann wäre das alles nicht passiert. Das haben wir uns alles selbst eingebrockt.

Ich könnte jetzt auf mehreren Bildschirmseiten ausführen, warum diese Argumentation, wie auch ein Rüstungsexportverbot (außer im Fall echter Hightech-Waffen), völliger Schwachsinn sind.

Dazu habe ich aber gerade keine Lust.

Stellen wir uns stattdessen doch einfach einmal vor, was die Auswirkungen eines solchen weitgehenden deutschen Rüstungsexportverbotes wären. Dazu belauschen wir ein fiktives Gespräch zwischen einem afrikanischen Warlord und seinem wichtigsten Mann.

Den Warlord nennen wir „Charles“. Seine rechte Hand nennen wir „Hamid“.

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Mangelnde interkulturelle Kompetenz: Auswärtiges Amt versteht die Ungarn nicht mehr

Schockierender Artikel auf Welt Online: Auswärtiges Amt versteht die Ungarn nicht mehr: „Wir wüssten wirklich gerne, wie sie ticken“

Schon im ersten Absatz des Artikels werden wir der Problematik in ihrer ganzen, schockierenden Dimension gewahr:

Wir verstehen die Mitteleuropäer nicht mehr.“ Es klang fast wie ein Stoßseufzer, ein Anflug leiser Verzweiflung, als am Rande des deutsch-ungarischen Jugendforums in der vergangenen Woche in Berlin ein Insider des Auswärtigen Amtes die Lage schilderte. „Wir wüssten wirklich gerne, wie sie ticken, was sie eigentlich wollen“, sagte er. „Aber wir wissen es nicht mehr.“

Und es geht Schlag auf Schlag, und es wird nicht besser – ganz im Gegenteil:

Peter Ptassek, Beauftragter für Grundsatzfragen, Brexit und EU-Koordinierung, fragte die anwesenden ungarischen Politiker immer wieder: „Was ist es denn, was mitteleuropäischer oder ungarischer werden soll an der EU? Ich verstehe nicht, um welche konkreten Vorstellungen es da gehen soll.“

Ich bin schockiert und traurig! Wie konnte es nur so weit kommen?

Wie kann man sich nur so schnell so weit auseinander leben? Wie kann eine Beziehung so kaputt gehen? Man redet noch miteinander, aber immerzu redet man aneinander vorbei.

Hilfe ist unterwegs!

Aber kein Problem liebe Diplomaten, ich kann euch vielleicht weiterhelfen. Ich bin ja von Natur aus ein hilfsbereiter Mensch und ich versuch das jetzt einfach mal.

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