Franz Josef Strauß: Der Kampf um die Sprache

Früher fand ich dieses Video sehr gut und dachte es trifft den Nagel auf den Kopf. Mittlerweile frage ich mich aber, ob Franz Josef Strauß nicht einer fatalen Fehleinschätzung aufgesessen ist und wir deshalb den Kulturkampf gegen die 68er verloren haben, weil kein Konservativer damals verstanden hatte, worum es eigentlich geht.

Es ist nicht wirklich ein Kampf um die Sprache. Die Sprache ist nur das Werkzeug. Es ist in erster Linie ein Kampf um die Moral und um die moralische Deutungshoheit. Und da haben die Linken uns in den letzten 50 Jahren gnadenlos überrannt…

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Vortrag von Steve Bannon

Spätestens seit dem 9. November 2016 ist Steve Bannon einer der wichtigsten konservativen Vordenker unserer Zeit. Da die Presse mehr damit beschäftigt ist ihn zu dämonisieren als sich mit ihm auseinander zu setzen ist es das beste, den Mann einfach selbst anzuhören.

In diesem Vortrag geht es um seine politischen Überzeugungen, das Bekenntnis zu einem Patriotismus der Mitte und die kommenden Jahre, die vom Kampf gegen einen enthemmten Linksliberalismus geprägt sein werden, der weder mit der Vernunft noch mit der Lebensrealität der meisten Bürger irgendetwas zu tun hat:

Shaming als sozialer Kontrollmechanismus

Was ist Shaming?

Shaming ist ein Mechanismus, um das Verhalten des Einzelnen in der Gruppe zu regulieren. Es betrifft nicht nur Handlungen, sondern oft auch Meinungsäußerungen. Jede Gruppe hat ihre eigenen ungeschriebenen Regeln von Dingen, die nicht getan oder nicht gesagt werden dürfen ohne den Widerspruch der Gruppe (meist nur einiger Meinungsführer oder Offizieller) oder die schleichende und stillschweigende Isolation innerhalb der Gruppe zu provozieren.

Dabei ist Shaming kein Merkmal einer bestimmten Ideologie sondern ein Mechanismus, der in jeder sozialen Gruppe in unterschiedlich starker Ausprägung zu finden ist. Eine Gruppe ist nur deshalb eine Gruppe, weil ihre Mitglieder einander auf irgendeine Weise ähnlich sind. Erst diese Ähnlichkeit macht eine Gruppe überhaupt zu einer Gruppe. So gesehen kann Shaming durchaus als etwas Nützliches betrachtet werden, da es ein Auseinanderdriften und in letzter Konsequenz die Auflösung einer Gruppe verhindert.

Shaming und Gesellschaft

Shaming dient in traditionellen Gesellschaften vor allem dem Zweck, das Individuum zur Übernahme von Verantwortung für diese zu motivieren. Ebenfalls wird es verwendet um die Institutionen dieser Gesellschaft funktionsfähig zu halten.

Ein Beispiel hierfür ist der Militärdienst. In einer traditionellen Gesellschaft wird ein abgeleisteter Militärdienst sehr wohlwollend aufgenommen und man steht dem Militär dankbar gegenüber, weil man weiß, dass diese Männer im Ernstfall den Kopf für alle hinhalten. Soldaten verbal abzuwerten und anzugreifen wird als asozial aufgefasst. Hier findet also ein Shaming von unerwünschtem und für die Gruppe schädlichem Verhalten statt.

Wer jetzt an Militarismus denkt sollte sich vergegenwärtigen, dass Deutschland heute nicht nur sehr weit vom Militarismus entfernt ist, sondern schon lange im gegenüberliegenden Extrem heimisch geworden ist. Eine Gesellschaft die sich nicht selbst verteidigen kann ist letztlich auf Gedeih und Verderb dem Wohlwollen anderer ausgeliefert. Alle Deutschen werden das wieder lernen müssen, spätestens an dem Tag, an dem die USA sich endgültig weigern für unsere Sicherheit einzustehen. So gesehen ist eine positive (nicht fanatische) Einstellung zum Militär ein Merkmal einer intakten Gesellschaft.

Eine wichtige Institution die jeder erfolgreichen Gesellschaft zueigen ist, ist die Ehe. Ihr Zweck ist die Sexualität zu regulieren, ihr ihre potentiell zersörerische Kraft zu nehmen und sie so in für das Gemeinwohl wünschenswerte Bahnen zu lenken. Wieso ist das wichtig?

Nun eine erfolgreiche Gesellschaft benötigt zwei Dinge.

  • Zum einen muss sie die Männer motivieren Leistung zu bringen und ihr ökonomisches Potential auszuschöpfen
  • Außerdem braucht sie Nachkommen, an die sie ihre Werte und ihre Kultur weitergibt

Ein für seine Familie sorgender Ehemann und Familienvater ist in aller Regel ein weit produktiveres und verlässlichers Mitglied der Gesellschaft als der moderne Hedonist. Im Gegensatz zu einem Hedonisten hat er in diesem Leben etwas substanzielles zu verlieren.

Wir Menschen lassen uns leicht zu voreiligen Entscheidungen hinreißen. Vor allem wenn es um Sex geht. Wenn wir aber unser Leben von unseren primitiven Gelüsten abhängig machen, dann werden wir am Ende nur eine Spur der Verwüstung aus kaputten Familien und traumatisierten Kindern hinterlassen. Dies ist der Grund warum in traditionellen Gesellschaften der Ehe nicht nur durch Gesetze sondern auch durch eine starke Erwartungshaltung des engeren Umfelds zu einem hohen Maß an Verbindlichkeit verholfen wird. Wir müssen heute nur mit offenen Augen durchs Leben zu gehen um zu sehen was passiert, wenn diese Verbindlichkeit nicht mehr gegeben ist.

Umdeutung aller Werte

Wie ist es nun möglich, dass sich die Werte unserer Gesellschaft in gerade mal 50 Jahren nicht nur stark verändert sondern ins Gegenteil gekehrt haben?

Ich glaube dass das Shaming dabei eine ganz entscheidende Rolle gespielt hat. Die Achtundsechziger sagten „Wir befreien euch“. Damit haben sie an das kurzfristige Denken der Menschen appeliert, die bestehenden gesellschaftlichen Regeln für illegitim und willkürlich erklärt und zugleich zu ihrem Umsturz aufgerufen. Anschließend haben sie bewusst gegen die herrschenden Shaming-Regeln verstoßen und (ganz wichtig!!!) sind vor dem hereinbrechenden Shitstorm nicht zurückgewichen. Heute sieht man bei Donald Trump sehr schön wie gut das auch in die andere Richtung funktionieren kann.

Mit dieser Taktik waren sie dermaßen erfolgreich, dass sie mittlerweile die Shaming-Regeln unserer Gesellschaft und damit auch unsere offiziell kommunizierten Werte in ihr genaues Gegenteil verkehren konnten. Wir kennen dieses Regelwerk heute auch unter dem Begriff der „Political Correctness“. Wo die Regeln der Vergangenheit das Wohl unserer Gesellschaft beförderten, betreiben die neuen Regeln das genaue Gegenteil. Leider nicht ohne Erfolg.

Nicht alles ist verloren

Aber hier liegt auch der Schlüssel um eine Veränderung zum Guten herbei zu führen. Wenn wir verstehen wie unsere Gegner erfolgreich waren, dann halten wir den Schlüssel in der Hand um sie zu besiegen.

Shaming und die damit verbundenen Regeln legen eine große Macht in die Hände des größten Idioten, sofern er nur alle Regeln und sprachlichen Muster verinnerlicht hat. Aber mit den selben Taktiken mit denen diese Regeln etabliert wurden kann man ihre Macht auch brechen.

Dazu bedarf es der folgenden Dinge:

  • Ein gewisses rhetorisches Geschick
  • Kenntnis der Regeln der Political Correctness um dort anzugreifen wo es am vielversprechendsten ist
  • Fingerspitzengefühl um zu eskalieren ohne über das Ziel hinaus zu schießen
  • Eine wohlbegründete und durchdachte Meinung (welche dem Gegner oft fehlt da er seine „Wahrheit“ meist hat aufgezwungen bekommen)
  • Das Wichtigste: Die Dreistigkeit knallhart zu Widersprechen und kontrolliert zu eskalieren ohne wankelmütig zu werden. Wer ein (siehe Trump)

Wir befinden uns in einem Kulturkampf

Als Donald Trump am 20. Januar 2017 zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt wurde, lieferte er eine sehr denkwürdige Antrittsrede ab. Viel wurde über diese Rede diskutiert und viel könnte man noch diskutieren. Aber für mich sticht ein einziger Satz heraus:

At the center of this movement is a crucial conviction, that a nation exists to serve its citizens.

Auf Deutsch:

Im Zentrum dieser Bewegung (gemeint sind seine Anhänger) findet sich eine entscheidende Überzeugung: Dass ein Staat existiert, um seinen Bürgern zu dienen.

Dieser Satz, dass der Staat seinen Bürgern zu dienen hat, ist weder zufällig in diese Rede hineingerutscht noch kann er als eine bloße Randnotiz betrachtet werden. Er ist vielmehr der Dreh- und Angelpunkt des größten Konflikts unserer Zeit. Die Gesellschaften des Westens sind nicht einfach nur tief gespalten, wie die Presse uns zu erzählen nicht müde wird.

Tatsächlich befindet sich der Westen in einem Kulturkampf. Und dieser Kulturkampf ist größer als Achtundsechzig. Zwei Seiten stehen sich unversöhnlich gegenüber, die völlig unterschiedliche Auffassungen vom Staat haben.

Für die einen ist der Staat eine Gemeinschaft, die einen Teil ihrer finanziellen Ressourcen verwaltet und eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder schaffen soll. Dieses Zusammenleben ist mit großen Schwierigkeiten und Gefahren verbunden und jeder hat dem Staat gegenüber Rechte aber genauso selbstverständlich auch Pflichten. Dies bedeutet dass man zwar große Freiheiten besitzt, sich aber in manchen Fällen im Sinne des Gemeinwohls auch einmal unterordnen muss.

Die anderen hingegen betrachten den Staat als ein Gebilde, das schon immer da war und das sie in ihrem Streben nach grenzenloser Individualität unterstützen soll. Existenzielle Gefahren existieren nicht, weil sie haben ja nie welche erlebt. Der Staat soll uns vor Alltagsgefahren schützen aber zugleich soll er niemandem auf die Füße treten. Er ist quasi ein Dienstleister bei dem wir uns jederzeit beschweren können wenn uns etwas nicht passt. Unangenehme Wahrheiten über die Welt und die Natur des Menschen interessieren sie nicht, sie verlangen nach einem Utopia.

Dieser Kulturkampf wird über das Schicksal des Westens entscheiden und er soll das Thema dieses Blogs sein…