Das K-Wort: Coming Out

Mein ganzes Leben habe ich mich versteckt. Aber es reicht. Ich will jetzt endlich einen Schlussstrich ziehen. Das hier ist mein Coming Out!

Lange habe ich mit mir gerungen. Wollte es nicht wahr haben. Habe mich selbst und andere belogen. Erst gestern habe ich zum ersten Mal in meinem Leben die Kraft gefunden, es mir und meinem engsten Kreis endlich einzugestehen. Es mag viele schockieren. Aber ich bin was ich bin. Keine Lügen mehr! Kein Versteckspiel mehr!

Let’s talk about Sex!

Als ihr von Sex erzählt habt, da dachte ich: „Macht was ihr wollt. Was interessiert mich eure Promiskuität und was interessieren mich eure merkwürdigen Fetische. Ich will nur eine Frau und eine Familie.“ Hätte ich etwas gesagt, hätte ich euch dafür kritisiert, dass ihr die Sexualität aus ihrer kulturellen Verankerung gelöst und sie zu einem banalen Zeitvertreib gemacht habt, wäre ich für euch ein verklemmter Spießer gewesen. Eure Argumente schienen so schlüssig und andere hatte ich nie gehört. Und ihr wart so viele. Alle mit derselben Meinung und denselben Argumenten. Und ich wusste nicht, wie ich gegen euch ankommen sollte. Also habe ich nichts gesagt.

Jetzt bloß nicht sentimental werden

Als ihr mir sagtet wie toll es ist, dass Homosexuelle gesellschaftlich toleriert werden und keine Angst vor strafrechtlicher Verfolgung mehr haben müssen, da stimmte ich euch vorbehaltlos zu. Denn wenn ich es auch sehr bedauerlich finde, dass manche Menschen das Pech haben, mit einer solchen Veranlagung durchs Leben gehen zu müssen, so habe ich doch kein Recht mich über sie zu erheben. Ich glaubte das Thema wäre damit erleidgt und wir könnten uns wieder um wichtigere Dinge kümmern.

Doch falsch gedacht. Als ihr mit dieser „Lebenspartnerschaft“ angefangen habt, da begann ich mich zum ersten Mal zu wundern. Wir veranstalten diesen ganzen Zirkus um die Ehe ja nun nicht weil wir so furchtbar sentimental sind, auch wenn das manche glauben mögen. Wir tun all das, weil wir wissen, dass so eine lebenslange Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau nicht einfach ist. Und weil diese Beziehungen die Grundlage unserer Familien und unserer Gesellschaft sind, investieren wir in sie und das nicht nur finanziell. Und wir verleihen ihnen einen Rechtsstatus und eine rechtliche Verbindlichkeit, um ihre besondere Bedeutung zu unterstreichen. Nun habt ihr die Verbindlichkeit der Ehe durch eure Lobbyarbeit und eure „Gesetzesreformen“ in den letzten Jahrzehnten ja ohnehin schon auf ein Minimum reduziert. Und da wollt ihr die Ehe plötzlich von einer gesellschaftlichen Institition zu einer sentimentalen Veranstaltung relativeren, bei der sich auch Homosexuelle selbst verwirklichen dürfen?  Nun ja, die Lebenspartnerschaft ist nicht dasselbe wie die Ehe und so hielt ich dies trotz meiner Verwunderung dennoch für einen guten Kompromiss. Und so glaubte ich, diesmal wäre die Sache aber wirklich beendet und wir kümmern uns jetzt wirklich um die wichtigen Dinge.

Doch hier wurde mir zum ersten Mal bewusst, was ihr wirklich unter Toleranz versteht. Mit welcher Gewalt habt ihr eure Medienmaschinerie in Gang gesetzt. Überall wurde man mit diesem Thema belästigt, welches nur für eine kleine Minderheit von Belang ist. Alle eure Fernsehmoderatoren waren voll des Lobs und kein Wort der Kritik war zu hören. Man kam sich ja schon fast vor als würde man am Rande der Gesellschaft vegetieren, wenn man keine homosexuellen Freunde hatte und mit ihnen ihre „Wedding Party“ begehen konnte. Ihr habt definiert was das neue „normal“ war und jeder, der anderer Meinung war, hat besser den Mund gehalten. Denn für abweichende Meinungen ist kein Platz in eurem toleranten Utopia.

Krieg und Frieden

Als ihr anfingt von Krieg und Frieden zu reden, da dachte ich ihr seid unglaublich naiv. Sicher, auch ich hatte einmal geglaubt, es müssten nur alle Länder ihre Armee abschaffen und schon wäre der Weltfrieden mit den Händen zu greifen. Einer müsste halt damit anfangen. Und warum nicht wir? Aber damals war ich 5 Jahre alt. Und als ich meine brilliante Idee mit stolzgeschwellter Brust meiner Oma vorstellte, da fragte sie mich trocken aber in kindgerechter Sprache, was denn meiner Meinung nach die machtpolitischen Folgen wären, wenn wir plötzlich keine Armee mehr hätten. Auch wenn ich mich anfangs gegen den Gedanken sträubte, schnell war mir klar: Das funktioniert nicht! Thema erledigt! Danke, Oma!

Alle rein!

Als ihr 2014 mit dieser Flüchtlingshysterie angefangen habt, da dachte ich, jetzt habt ihr völlig den Verstand verloren. Da fliehen ein paar Leute vor dem Krieg in ihrer Heimat und wollen hier Asyl, bis der Krieg vorbei ist und sie wieder zurück können. Kein Problem.

Nur halt mal! Dieses Asylsystem hat schon vorher nicht funktioniert. Ständig kamen Leute ohne Asylgrund. Asylanträge wurden reihenweise abgewiesen. Aber bleiben durften sie trotzdem. Irgendwann waren sie so lange da, dass sie einen deutschen Pass beantragen konnten. Einwanderung durch die Hintertür. Auswahl der besten Köpfe? Fehlanzeige!

Und jetzt dreht ihr völlig durch. Integration kann gar nicht schnell genug gehen. Fakten sollen geschaffen werden, am besten noch bevor das rechtsstaatliche Asylverfahren überhaupt in Fahrt gekommen ist. Völlig egal ob derjenige wirklich vor dem Krieg flieht oder eher vor dem Wehrdienst oder gar nur vor der schlechten Konjunktur. Aber Wehrdienst zählt ohnehin nicht. Ihr werdet ja schließlich auch sehr schnell weg sein, wenn es hier mal etwas ungemütlicher werden sollte. Und bei Asylgründen seid ihr nicht wählerisch. Einwanderung ist für euch ein Menschenrecht. Und wer das kritisiert ist sowieso ein Nazi.

Nichts als die Wahrheit

So, jetzt wisst ihr, wie ich empfinde. Jetzt könnt ihr euch sicher auch schon denken, wer und was ich wirklich bin. Die Wahrheit ist:

Ich bin transpolitisch. Ja, genau. Ihr habt richtig gelesen. Ich bin ein Konservativer, geboren in einem linksliberalen Land.

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Von eurem Weltbild halte ich soviel wie ihr von meinem.

Und auch wenn ihr es mir auch immer wieder vorwerfen werdet: Nein, ich will nicht in einem autoritären Land leben.

Ich will in einem freien Land leben. In einem Land, in dem der Staat seinen Bürgern dient und sie nicht übergeht, um unmöglichen und naiven Utopien hinterher zu rennen. Mein Land ist kein Ort, an dem die gefördert werden, die das Gemeinswesen spalten und kaputt machen wollen und die alles Eigene verachten. In meinem Land arbeiten wir alle zusammen, um eine bessere Zukunft für uns und unsere Kinder zu schaffen. Und wem das nicht passt, der kann sich gerne ein anderes Land suchen.

Ich will in einem Land leben, in dem der Mensch frei ist, aber in dem er auch Verantwortung trägt – für sich selbst und für andere. Individuelle Freiheit ist ein hohes Gut. Aber Individuelle Freiheit und grenzenloser Individualismus sind zwei völlig verschiedene Dinge. Freiheit ist die Basis jedes lebenswerten Gemeinwesens. Grenzenloser Individualismus dagegen sein Ende. In meinem Land schaffen wir einen Ausgleich zwischen der Freiheit des Individuums und dem Funktionieren unserer Gesellschaft. Wir schauen nicht einfach weg, wenn Ehe und Familie als Lebensmodell nicht mehr funktionieren, ein großteil unserer Leute alleine lebt und uns auf der Straße immer weniger Kinder begegnen. Wir fragen uns, was mit unserer Gesellschaft, unserer Gesellschaftspolitik und unserem Wertesystem nicht stimmt und wir suchen nach Lösungen.

Ich will in einem Land leben, in dem das Wohl von Kindern wichtiger ist, als die Selbstverwirklichung verantwortungsloser Erwachsener, die immer noch glauben, sie könnten im Leben alles haben was sie wollen und die überzeugt sind, sie hätten auch noch ein Anrecht darauf. In meinem Land töten wir nicht und behaupten anschließend wir hätten nicht getötet, weil das was wir getötet haben nach unserem Ermessen gar nicht gelebt hat. Wir schaffen uns keine eigene, selbstgerechte Definiton von Leben und Nicht-Leben, die unserem Handeln folgt und es moralisch legitimiert. Stattdessen verwenden wir die Segnungen unseres gut ausgebauten Sozialstaats um Leben zu schützen und dort zu helfen, wo Hilfe nötig ist. Und wir benehmen uns alle wie Erwachsene und übernehmen die Verantwortung für unser eigenes Tun.

Ihr habt mir einmal gesagt, ich kann sein, was immer ich sein will. Ihr seht, meine Entscheidung ist gefallen: Ich bin ein Konservativer!

Vortrag von Steve Bannon

Spätestens seit dem 9. November 2016 ist Steve Bannon einer der wichtigsten konservativen Vordenker unserer Zeit. Da die Presse mehr damit beschäftigt ist ihn zu dämonisieren als sich mit ihm auseinander zu setzen ist es das beste, den Mann einfach selbst anzuhören.

In diesem Vortrag geht es um seine politischen Überzeugungen, das Bekenntnis zu einem Patriotismus der Mitte und die kommenden Jahre, die vom Kampf gegen einen enthemmten Linksliberalismus geprägt sein werden, der weder mit der Vernunft noch mit der Lebensrealität der meisten Bürger irgendetwas zu tun hat:

Weshalb die Linken Putin wirklich hassen

Seit einigen Jahren schlägt dem russischen Präsidenten Vladimir Putin im Westen nichts als Verachtung entgegen. Als Begründung für diese mehr als einfach nur ablehnende Haltung wird dabei oft die mangelhafte Demokratie in Russland, die Annektion der Krim oder ganz allgemein Putins Streben nach Wiederherstellung verloren gegangener russischer Macht angeführt.

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Nun ist Russland sicher keine Musterdemokratie und Putin, anders als ein Bundeskanzler der SPD einmal behauptet hat, gewiss kein „lupenreiner Demokrat“. Und natürlich weckt Putins nach Weltmacht strebende Außenpolitik im Westen völlig zurecht gewisse Ängste. Aber erklärt das wirklich, warum die Linken eine solch enorme Abneigung gegen diesen Mann haben?

Es gibt viele andere Länder auf der Welt, die auch nicht demokratischer sind als Russland. Es gibt sogar viele Staaten, die um Größenordnungen autokratischer geführt werden als Russland. Und wenn man ein Land wirklich wegen der Menschenrechtslage kritisieren wollte, fallen einem da nicht erst einmal ein paar ganz andere Länder ein?

Wie wäre es z.B. mit China, das jährlich tausende von Menschen hinrichtet und jede Opposition seit bestehen der Volksrepublik brutal unterdrückt? Oder was ist mit dem Iran, der Homosexuelle mit dem Strick hinrichtet? Wir hören hier in den westlichen Medien eher etwas von einem russischen Schwulenklub, der Probleme mit der Nachbarschaft hat, als von homosexuellen Persern, die im Namen Allahs gehängt werden. Oder was ist mit Saudi-Arabien, dem nicht minder theokratischen sunnitischen Pendant des schiitischen Iran? Hier bevorzugt man noch die klassische Art der Hinrichtung mit dem Schwert, was die Menschenrechte angeht halten sich die Unterschiede dann aber doch in Grenzen.

Und last but not least, was ist mit dem Spitzenreiter im globalen Kabinett des Schreckens? Was ist mit Nordkorea, dem Land, welches Oppositionelle mitsamt ihrer Familien in Lagern durch Hunger und Arbeit psychisch und physisch vernichtet?

Wir hören in Bezug auf diese Länder nicht viel an Kritik hier im Westen. Demokratie und Menschenrechte können also nicht der Grund sein für die massive Kritik, mit der Putin bedacht wird.

Was ist es also, das die Linken so schnell auf die Barrikaden bringt, wenn sein Name fällt?

Ich denke hier ist nicht nur Antipathie, sondern auch eine gehörige Portion Angst im Spiel. Russland ist ein europäisches Land. Es ist ein sehr einflussreiches Land. Und es hat unter Putin das Undenkbare getan: Es hat die linksliberale westliche Lebensweise abgelehnt. Putin hat erkannt, dass der Weg, den die westlichen Gesellschaften vor einem halben Jahrhundert eingeschlagen haben ein zivilisatorischer Irrweg ist und er hat dementsprechend seine Konsequenzen gezogen.

Und genau das ist es, was die Linken an Putin wirklich hassen und fürchten. Putins Verbrechen wäre keins, wäre er ein Japaner, ein Chinese oder ein Ajatollah. Er könnte den Westen aufs Übelste beschimpfen, die Opposition komplett inhaftieren und alle die ihm nicht passen an Baukrähnen aufhängen.

Aber Putin ist ein Europäer und er hat aus Sicht der Linken das ultimative Verbrechen begangen. Er sagt nicht einfach: „Wir sind noch nicht bereit für den Linksliberalismus des Westens aber in ein paar Jahren sind wir sicher so weit“. Putin lehnt den Weg des Westens grundweg ab und er lehnt zugleich die von den Linken suggerierte historische Unausweichlichkeit dieses Wegs ab. Durch diese Ablehnung macht er Russland zu einem Gegenentwurf des Linksliberalismus. Er schafft innerhalb der westlich-orthodoxen Zivilisation eine Alternative zu Kulturrelativismus, Feminismus und staatlicher Selbstaufgabe, wo vorher keine war.

Putin hängt niemanden an Baukrähnen auf (die Todesstrafe ist in Russland ohnehin abgeschafft) und er betreibt auch keine staatliche Verfolgung Homosexueller. Aber er weiß, dass die brutale Unterdrückung der Orthodoxen Kirche, eine Unkultur der Abtreibung und der Verlust der Moral in der Sowjetunion zur heutigen demographischen Katastrophe Russlands geführt haben. Und er weiß auch, dass er die Kirche wiederherstellen muss soweit das möglich ist, um die Geburtenrate zu steigern und die Zukunft Russlands zu sichern. Desweiteren opfert er die Zukunft seines Landes nicht um alle nur irgendwie auffindbaren Minderheiten maximal zu beglücken. Minderheiten werden vom Staat nicht verfolgt, sie sind in Russland aber auch nicht der Hauptgegenstand der Politik. Zusammengefasst kann man auch sagen: Putin tut das was seinem Land nützt und versucht zu unterlassen was seinem Land schadet. Vor nicht allzulanger Zeit war dies auch im Westen das Ziel einer jeden Regierung.

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Die große Furcht der Linken ist, dass dieses neue Russland mit seinem konservativen Gesellschaftsmodell nun wie ein Leuchtturm auf den Westen wirkt und die Leute sich fragen, warum ihre Regierungen eigentlich nicht Politik für die Mehrheit machen und für das Wohl des eigenen Landes arbeiten. In Ungarn und Polen ist es bereits in zwei Staaten der EU zu einem solchen Umdenken gekommen. Wenn weitere folgen, könnten sie zugleich das Ende des linksliberalen Projekts besiegeln.

Weshalb die Bibel auch heute noch relevant ist

Gerade in Europa ist das Christentum in unserer Zeit stark auf dem Rückzug und viele glauben die Bibel wäre ein überkommenes Buch, welches für unsere Zeit keine Relevanz mehr besitzt. Und viele konservativ denkende Menschen lassen sich sicher auch von den Kirchen abschrecken, die sich meist eher wie der theologische Arm der Grünen gebärden als wie die Vertreter einer zeitlosen und konservativen Lehre.

Doch gleich ob die Bibel für uns nun ein von Gott inspiriertes Werk oder doch nur die literarische Schöpfung einer uralten Zivilisation ist: Wenn wir uns darauf einlassen werden wir erkennen, dass dieses Buch einen gewaltigen Schatz an Wissen und Weisheit über die Natur des Menschen und sein Ringen mit dieser Welt für uns bereithält.

Selbst hielt ich die Bibel lange Zeit für eine Ansammlung völligen Blödsinns. Damals habe ich mich z.B. über diese und ähnliche Stellen in der Bibel aufgeregt:

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

Genesis 1,27

Es gibt Männer und Frauen. Unglaublich! Das nenn ich mal eine Neuigkeit. Diese und ähnliche „Selbstverständlichkeiten“ haben mich damals bewogen zu glauben, dass dieses Buch nichts gehaltvolles enthält und lediglich Offensichtliches und wildes Kauderwelsch zusammengeschrieben wurden. Irgendwie musste man die Seiten ja füllen und man hat es halt verschwurbelt wo es geht, damit es wichtig und mysteriös klingt.

Aber dann ist etwas unglaubliches passiert. Nichtmal 20 Jahre später finde ich mich wieder in einer Welt, in der diese Dinge, die für völlig trivial und selbstverständlich gehalten habe, plötzlich nicht nur angezweifelt, sondern sogar zunehmend als falsch dargestellt werden. Und als ob das noch nicht verrückt genug wäre, hat sich plötzlich ein Sprachcode etabliert, welcher es verbietet diesen Blödsinn öffentlich als solchen zu bezeichnen und der jeden, der es trotzdem tut als einen zurückgebliebenen Unmenschen hinstellt.

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Weiblicher Social Justice Warrior beim unkontrollierten Hyperventilieren, ausgelöst durch Realitätskontakt

Und so habe ich mich gefragt: Wenn das heute passiert; wenn so etwas völlig Verrücktes in dieser scheinbar aufgeklärten und von der Vernunft geleiteten Zeit passiert, kann das dann nicht auch in der Vergangenheit schon passiert sein? Kann es nicht sein, dass in der Vergangenheit schon so manche Zivilisationen diesen Weg gegangen sind und wir nur deshalb nichts davon wissen, weil sie anschließend so schnell aus der Geschichte verschwunden sind? Was wenn die Bibel solche scheinbar selbstverständlichen Dinge niederschreibt, weil wer immer sie geschrieben hat wusste, dass diese Dinge alles andere als selbstverständlich sind und schon viele Gesellschaften in die Irre gelaufen sind?

Viele Leute stoßen sich an diesem „bösen“ Gott in der Bibel, der die Menschen immer auf brutalste Art straft, sobald sie irgendetwas tun das entfernt Spaß machen könnte. Ich denke es ist besser diese Stellen metaphorisch zu lesen und dabei statt an einen „bösen“ Gott an eine Warnung zu denken, ausgestoßen von jemand der die Menschen vor einer Gefahr warnen will, die sie selbst erst sehen können wenn es schon zu spät ist.

Ich bin überzeugt, wenn man sich darauf einlässt ist die Bibel ein wertvoller kulturhistorischer Text, der sich aus den Lebenserfahrungen von Generationen speißt, Europa für mehr als 1500 Jahre geprägt hat und der uns viel über das Leben lehren kann. Ganz gleich was man über seine Entstehung nun glauben mag.

Shaming als sozialer Kontrollmechanismus

Was ist Shaming?

Shaming ist ein Mechanismus, um das Verhalten des Einzelnen in der Gruppe zu regulieren. Es betrifft nicht nur Handlungen, sondern oft auch Meinungsäußerungen. Jede Gruppe hat ihre eigenen ungeschriebenen Regeln von Dingen, die nicht getan oder nicht gesagt werden dürfen ohne den Widerspruch der Gruppe (meist nur einiger Meinungsführer oder Offizieller) oder die schleichende und stillschweigende Isolation innerhalb der Gruppe zu provozieren.

Dabei ist Shaming kein Merkmal einer bestimmten Ideologie sondern ein Mechanismus, der in jeder sozialen Gruppe in unterschiedlich starker Ausprägung zu finden ist. Eine Gruppe ist nur deshalb eine Gruppe, weil ihre Mitglieder einander auf irgendeine Weise ähnlich sind. Erst diese Ähnlichkeit macht eine Gruppe überhaupt zu einer Gruppe. So gesehen kann Shaming durchaus als etwas Nützliches betrachtet werden, da es ein Auseinanderdriften und in letzter Konsequenz die Auflösung einer Gruppe verhindert.

Shaming und Gesellschaft

Shaming dient in traditionellen Gesellschaften vor allem dem Zweck, das Individuum zur Übernahme von Verantwortung für diese zu motivieren. Ebenfalls wird es verwendet um die Institutionen dieser Gesellschaft funktionsfähig zu halten.

Ein Beispiel hierfür ist der Militärdienst. In einer traditionellen Gesellschaft wird ein abgeleisteter Militärdienst sehr wohlwollend aufgenommen und man steht dem Militär dankbar gegenüber, weil man weiß, dass diese Männer im Ernstfall den Kopf für alle hinhalten. Soldaten verbal abzuwerten und anzugreifen wird als asozial aufgefasst. Hier findet also ein Shaming von unerwünschtem und für die Gruppe schädlichem Verhalten statt.

Wer jetzt an Militarismus denkt sollte sich vergegenwärtigen, dass Deutschland heute nicht nur sehr weit vom Militarismus entfernt ist, sondern schon lange im gegenüberliegenden Extrem heimisch geworden ist. Eine Gesellschaft die sich nicht selbst verteidigen kann ist letztlich auf Gedeih und Verderb dem Wohlwollen anderer ausgeliefert. Alle Deutschen werden das wieder lernen müssen, spätestens an dem Tag, an dem die USA sich endgültig weigern für unsere Sicherheit einzustehen. So gesehen ist eine positive (nicht fanatische) Einstellung zum Militär ein Merkmal einer intakten Gesellschaft.

Eine wichtige Institution die jeder erfolgreichen Gesellschaft zueigen ist, ist die Ehe. Ihr Zweck ist die Sexualität zu regulieren, ihr ihre potentiell zersörerische Kraft zu nehmen und sie so in für das Gemeinwohl wünschenswerte Bahnen zu lenken. Wieso ist das wichtig?

Nun eine erfolgreiche Gesellschaft benötigt zwei Dinge.

  • Zum einen muss sie die Männer motivieren Leistung zu bringen und ihr ökonomisches Potential auszuschöpfen
  • Außerdem braucht sie Nachkommen, an die sie ihre Werte und ihre Kultur weitergibt

Ein für seine Familie sorgender Ehemann und Familienvater ist in aller Regel ein weit produktiveres und verlässlichers Mitglied der Gesellschaft als der moderne Hedonist. Im Gegensatz zu einem Hedonisten hat er in diesem Leben etwas substanzielles zu verlieren.

Wir Menschen lassen uns leicht zu voreiligen Entscheidungen hinreißen. Vor allem wenn es um Sex geht. Wenn wir aber unser Leben von unseren primitiven Gelüsten abhängig machen, dann werden wir am Ende nur eine Spur der Verwüstung aus kaputten Familien und traumatisierten Kindern hinterlassen. Dies ist der Grund warum in traditionellen Gesellschaften der Ehe nicht nur durch Gesetze sondern auch durch eine starke Erwartungshaltung des engeren Umfelds zu einem hohen Maß an Verbindlichkeit verholfen wird. Wir müssen heute nur mit offenen Augen durchs Leben zu gehen um zu sehen was passiert, wenn diese Verbindlichkeit nicht mehr gegeben ist.

Umdeutung aller Werte

Wie ist es nun möglich, dass sich die Werte unserer Gesellschaft in gerade mal 50 Jahren nicht nur stark verändert sondern ins Gegenteil gekehrt haben?

Ich glaube dass das Shaming dabei eine ganz entscheidende Rolle gespielt hat. Die Achtundsechziger sagten „Wir befreien euch“. Damit haben sie an das kurzfristige Denken der Menschen appeliert, die bestehenden gesellschaftlichen Regeln für illegitim und willkürlich erklärt und zugleich zu ihrem Umsturz aufgerufen. Anschließend haben sie bewusst gegen die herrschenden Shaming-Regeln verstoßen und (ganz wichtig!!!) sind vor dem hereinbrechenden Shitstorm nicht zurückgewichen. Heute sieht man bei Donald Trump sehr schön wie gut das auch in die andere Richtung funktionieren kann.

Mit dieser Taktik waren sie dermaßen erfolgreich, dass sie mittlerweile die Shaming-Regeln unserer Gesellschaft und damit auch unsere offiziell kommunizierten Werte in ihr genaues Gegenteil verkehren konnten. Wir kennen dieses Regelwerk heute auch unter dem Begriff der „Political Correctness“. Wo die Regeln der Vergangenheit das Wohl unserer Gesellschaft beförderten, betreiben die neuen Regeln das genaue Gegenteil. Leider nicht ohne Erfolg.

Nicht alles ist verloren

Aber hier liegt auch der Schlüssel um eine Veränderung zum Guten herbei zu führen. Wenn wir verstehen wie unsere Gegner erfolgreich waren, dann halten wir den Schlüssel in der Hand um sie zu besiegen.

Shaming und die damit verbundenen Regeln legen eine große Macht in die Hände des größten Idioten, sofern er nur alle Regeln und sprachlichen Muster verinnerlicht hat. Aber mit den selben Taktiken mit denen diese Regeln etabliert wurden kann man ihre Macht auch brechen.

Dazu bedarf es der folgenden Dinge:

  • Ein gewisses rhetorisches Geschick
  • Kenntnis der Regeln der Political Correctness um dort anzugreifen wo es am vielversprechendsten ist
  • Fingerspitzengefühl um zu eskalieren ohne über das Ziel hinaus zu schießen
  • Eine wohlbegründete und durchdachte Meinung (welche dem Gegner oft fehlt da er seine „Wahrheit“ meist hat aufgezwungen bekommen)
  • Das Wichtigste: Die Dreistigkeit knallhart zu Widersprechen und kontrolliert zu eskalieren ohne wankelmütig zu werden. Wer ein (siehe Trump)

Manipulation durch Sprache: Die „liberale“ Demokratie

In letzter Zeit hört man immer wieder Begriff wie „liberale“ Demokratie oder „liberaler“ Rechtsstaat. Zudem erfährt man wie sehr diese doch in Gefahr sein sollen. Was auch immer damit genau gemeint sein soll.

Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland heißt es dazu:

Art. 20

(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

Demokratisch und sozial? Das steht da definitiv. „Liberal“? Fehlanzeige.

(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.

Die Staatsgewalt geht also vom Volk aus und wird durch Wahlen und diverse Staatsorgane ausgeübt. Erzwungene „Liberalität“? Negativ!

(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.

Alle Staatsorgane sind an Recht und Gesetz gebunden. Klarer Fall von Rechtsstaat. Aber ist dieser von Natur aus „liberal“? Natürlich nicht, er orientiert sich ja schließlich an Recht und Gesetz und nicht an irgendwelchen Ideologien.

Tolle Sache dieses Grundgesetz. Aber die „Liberalität“ ist wohl nicht ganz so stark ausgeprägt wie manche das gerne hätten. Hat möglicherweise etwas mit Demokratie zu tun und dem der Demokratie eigenen Wettstreit verschiedener politischer Überzeugungen. Aber das ist natürlich alles nur eine vage Vermutung.