Warum viele im Westen den islamischen Terror nicht begreifen können

Seit den schicksalhaften Terroranschlägen in Frankreich im Jahr 2015 befindet sich das vor wenigen Jahren noch so friedliche Europa in einem Zustand der latenten Gefahr. Die politische Elite und ein großer Teil der Europäer können oder wollen nicht begreifen, was da geschieht. Aber woran liegt das eigentlich?

Erschießung eines großen Teils der Redaktion von Charlie Hebdo, Massaker im Bataclan, Selbstmordanschlag auf den Flughafen von Brüssel, LKW-Anschlag von Nizza, LKW-Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin, diverse „kleinere“ Anschläge mit LKWs und Transportern, Selbstmordanschlag auf ein Popkonzert in Manchester, Van-Anschlag in Spanien, Messerattacken in Finnland und so weiter und so fort. Das waren jetzt nur die „wichtigsten“ islamischen Terroranschläge in Europa seit dem Beginn dieser „Anschlagsserie“ im Januar 2015.

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Opfer des Selbstmordanschlags von Manchester am 22.05.2017 mit 22 Toten

Und immer hören wir die gleichen inhaltslosen Erklärungen, derer wir schon lange überdrüssig sind. Geheucheltes Mitleid für die Opfer, vorgespielte Fassungslosigkeit und der Aufruf, unser Leben nicht zu ändern und den Terror so durch unsere friedfertige und im wahrsten Wortsinne grenzenlose Opferbereitschaft zu besiegen.

Westliche Erklärungsversuche

Wir alle brauchen Erklärungen. Wir alle versuchen die Ereignisse, die wir in unserem Leben und in der Welt sehen einzuordnen und in ein in sich konsistentes Bezugssystem zu bringen.

Und was tun die meisten von uns, wenn sie versuchen diese Anschläge zu erklären? Sie suchen sich eine Erklärung, die in ihr eigenes Bezugssystem passt.

Und so werden die Attentäter laut dem gängigsten Erklärungsmuster als Verlierer bezeichnet. Als Feiglinge. Als Wahnsinnige.

Allen diesen Bezeichnungen ist eine Sache gemein: Sie sind schlicht weg nicht wahr.

Natürlich bedienen wir uns gerne solch einfacher Erklärungen. Indem wir den Feind mit negativen Attributen belegen machen wir uns das Leben so vieleinfacher. Aber wir betrügen uns auch selbst um die Chance, ihn zu verstehen. Und wie will man einen Feind bezwingen, den man nicht versteht?

Sind diese Leute Verlierer im Kontext unserer Gesellschaft? Es sind sicher ein paar darunter. Doch hat die Vergangenheit gezeigt, dass viele Attentäter sehr gebildet sind. Die für das E-Technikstudium eingeschriebenen Terroristen von 9/11 sind hier nur das prominenteste Beispiel.

Ist jemand feige, der sich selbst willentlich in die Luft sprengt? Wohl kaum. Ist er verrückt? Nach unseren Maßstäben definitv! Aber unsere Maßstäbe sind relativ und genau darum geht es in diesem Artikel.

Aber zuerst müssen wir ein wenig weiter ausholen.

Das Urproblem des Menschen

Wir alle wurden unverhofft in diese Welt geworfen. Wir lernen mit den Jahren unseres Lebens mehr und mehr wie sie funktioniert und versuchen zugleich ihr den Grund ihres Seins abzuringen.

Und auch wenn auch so oft alles so relativ erscheint, so gibt es doch einen Bezugspunkt, der für uns alle absolut ist. Das ist der Tod.

Egal ob einer arm oder reich ist. Ob sein Leben eine großartige Erfolgsgeschichte ist oder eine Geschichte des Scheiterns. Der Tod ist die einzige Gewissheit, die wir in dieser Welt haben und er ist zugleich die eine Sache, die so furchteinflößend ist, wie keine Zweite.

Egal welche Werte eine Gesellschaft auch immer vertreten mag. Im Grunde suchen sie alle nach einer Antwort für dieses Problem. In ihrem Kern ist jede Gesellschaft der Versuch der Auseinandersetzung mit unserer Sterblichkeit.

Manche Gesellschaftsmodelle akzeptieren den Tod. Manche leugnen und verdrängen ihn. Und wieder andere empfangen ihn mit offenen Armen.

Doch sie alle ringen mit ihm.

Was wir im Westen Glauben

Wenn wir nun unsere Feinde verstehen wollen, so müssen wir zuerst einmal uns selbst verstehen.

Die Vergangenheit

In den letzten fünfzehnhundert Jahren gab es im Westen drei vorherrschende Ideen zur „Überwindung“ des Todes:

  • Das Christentum
  • Das Weiterleben in den eigenen Nachkommen
  • Unsterblichkeit durch den Erwerb von Ruhm
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Jesus Christus opfert sich am Kreuz

Das Christentum war für lange Zeit die vorherrschende und unangefochtene Religion des Westens. Und so glaubten die Menschen also, dass der Tod durch Jesus Christus für uns am Kreuz überwunden wurde und sie glaubten an das vom Christentum versprochene ewige Leben nach dem Tod.

Freilich würde es nur denen zuteil werden, die sich zumindest zu einem guten Teil an die Gebote der Bibel halten. Diese stellten so etwas wie einen verpflichtenden moralischen Grundkonsens dar, der zwar nicht immer eingehalten wurde, die Gesellschaften des Westens aber zumindest auf einer gemeinsamen Wertegrundlage zusammenhielt und all zu Schädliches und die Gesellschaft zersetzendes Verhalten tabuisierte.

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Weihnachtliches Familienfoto um das Jahr 1900

Zum anderen gab es die in der Kultur verankerte Idee, dass der Tod auch auf biologische Weise – also durch Fortpflanzung – überwunden werden kann. Zwar kann niemand ewig leben, doch zumindst in den eigenen Kindern ist so etwas wie ein Weiterleben möglich.

Hat man eine Familie und gelingt es einem, diese auch zusammen zu halten, so kann man viele Jahre später auf dem Sterbebett auf ein erfolgreiches Leben zurückblicken. Man hat etwas geschaffen, das einen überdauern wird und es gibt Menschen, die einem Nahe stehen und die einen betrauern werden. Außerdem kann man die im Leben geschaffenen materiellen Besitztümer an die eigenen Kinder weitergeben, hoffend, dass diese den Wohlstand der Familie mehren werden und zukünftige Generationen das Andenken an unser Leben und unsere Leistung einmal in Ehren halten werden.

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Christoph Kolumbus segelte mit den Schiffen Santa Maria, Pinta und Santa Clara nach Amerika

Zu guter Letzt bleibt zu erwähnen, dass man auch durch den Erwerb von Ruhm weiterleben kann. Eine der größten und ruhmreichsten Heldentaten der Weltgeschichte ist die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus und die Männer seiner Expedition. Kolumbus war überzeugt, dass die Erde eine Kugel ist. Auch wenn es sehr gute Anhaltspunkte dafür gab, so ist es doch ein Unterschied, ob man an etwas glaubt, oder ob man sein Leben darauf verwettet.

Genau das aber taten Kolumbus und seine Männer – und sie obsiegten. Auch wenn sie heute natürlich alle Tot sind, so wurden sie durch ihre Taten – anders als die meisten ihrer Zeitgenossen – zu einem Teil der Weltgeschichte.

Mit ihrer Entdeckung bewiesen sie, dass sie die Erde eine Kugel ist und sie läuteten zugleich eine neue Ära der Seefahrt ein. Ihr eigentliches Ziel war es, einen neuen und schnelleren Seeweg nach Indien zu finden. Tatsächlich aber fanden sie einen neuen Kontinent und legten so den Grundstein für ein Land, welches lange Zeit nach ihrem Ableben zur Führungsmacht der westliche Welt aufsteigen sollte.

Die Gegenwart

Das alles hat sich heute grundlegend geändert. Das Christentum ist förmlich kollabiert und die Kirchen begreifen sich mehrheitlich eher als spirituellen Arm des Zeitgeists (siehe z.B. Evangelischer Kirchentag), denn als Verkünder der Bibel  oder – Gott bewahre – gar einer absoluten Wahrheit.

Ganz ähnlich wie den Kirchen erging es auch der Familie. Grundlage jeder Gemeinschaft ist die Bereitschaft, seine eigenen Interessen im Zweifel den Interessen der Gemeinschaft unterzuordnen. Dies gilt natürlich ganz besonders für eine so enge Gemeinschaft wie die Familie.

Der von den 68ern propagierte radikale Individualismus stellt das Individuum über alles andere. Die Moral des Christentums wurde abgelöst durch eine Moral des „Anything goes“. Der oberste moralische Grundsatz ist, dass alles erlaubt ist, was niemand anderem schadet. Dabei werden, nicht ohne Grund, die Dinge übersehen, die niemandem individuell schaden, sondern der Gemeinschaft als ganzem. Statt die zu ehren, die sich selbst zurückhalten und ihre Triebe und Impulse einem höhren Ziel unterordnen feiern wir heute diejenigen, die sich hemmungslos ausleben und dabei ein Trümmerfeld in ihrem Leben und in unserer Gesellschaft hinterlassen.

Mit solchen moralischen Grundsätzen ist es kein Wunder, dass funktionierende Familien im Westen die Ausnahme sind und die dysfunktionale Familie und der Singlehaushalt mehr und mehr zum Normalfall werden.

Statt Ruhm suchen wir nach Ablenkung von unserem Leben. Und manche machen sich auch zum willigen Zahnrad im Getriebe einer Wirtschaftsmaschinere, die uns Ausspuckt, sobald wir nicht mehr funktionieren. Und das nur weil uns jemand einmal gesagt hat, dort könnten wir uns selbst verwirklichen.

Doch wie verhält es sich jetzt mit dem Tod? Für 1500 Jahre erinnerten Bilder und Kreuze die Menschen im Westen nicht nur an die Hinrichtung des Gründers ihrer Religion, sondern auch an die eigene Sterblichkeit. Diese ständige Erinnerung des Todes hat sich ins Gegenteil gekehrt.

Anstatt uns die eigene Vergänglichkeit vor Augen zu halten und sich mit ihr auseinander zu setzen fliehen wir vor ihr wo immer wir können. Unsere ganze Kultur ist darauf ausgerichtet, uns von der unbequemen Realität des eigenen Todes abzulenken.

Die Armut und andere Unbequemlichkeiten des Daseins konnten wir im Westen weitgehend abstreifen und wir haben uns eingerichtet in einem weitgehend sorgenfreine Leben. Mit dem Tod kann uns das naturgemäß nicht gelingen und er ist das letzte Hindernis zwischen uns und unserer Illusion einer perfekten Welt.

Doch wir haben eine andere Antwort auf ihn gefunden. Wir berauschen uns an teuren Urlaubsreisen, Computerspielen, Parties, Sex und allem, was das Leben sonst noch zu bieten hat. Wir pflegen einen Jugendkult, der jedem der es will ermöglicht, das eigene Altern auszublenden und so zu tun, als wäre die Biologie nur ein Mythos. Warum erwachsen werden, wenn man sich auch mit fortschreitendem Alter noch von anderen einreden lassen kann, wie jung man doch ist und dass man den größten Teil des Lebens noch vor sich hat? Warum sich der Realität stellen, wenn die Täuschung so viel reizvoller ist?

Doch nun trifft unsere behagliche kleine Welt auf einen radikalen Gegenentwurf.

Was die Islamisten Glauben

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Ein Islamist hat einen völlig gegensätzlichen Begriff vom Tod. Für ihn ist der Tod nichts wovor er wegläuft (oder zumindest nichst wovor er weglaufen will). Zwar fürchtet auch er sich mit Sicherheit vor dem Tod, doch für ihn ist der Tod die Erlösung von einem Leben, das nur ein Übergang ist zu seinem eigentlichen Leben im Paradies, welches er innigst herbeisehnt. Er ist nur auf dieser Welt um sich vor seinem Gott für sein wahres Leben als würdig zu erweisen. Die Angst vor dem Tod ist für ihn ein Zeichen mangelnden Glaubens und sie ist etwas das es zu überwinden gilt. Und je schneller er sie überwindet, desto besser.

Der Islamist glaubt, dass Gott zu den Juden und den Christen gesprochen und ihnen übermittelt hat, was er von ihnen erwartet. Er glaubt auch, dass Juden und Christen diese Nachricht verfälscht haben und dass die Bibel das Ergebnis dieser Verfälschung ist. Darum hat Gott seinem Glauben nach seinen Propheten Mohammed gesandt, der mit dem Koran die wahre und unabänderliche Botschaft Gottes auf der Erde verkündet hat. Wer seine Gebote befolgt, der kommt ins Paradies und wird ewig und mit allen weltlichen Freuden leben, wer sie nicht befolgt, kommt in die Hölle, wo er für alle Ewigkeit geqäult werden wird.

Deshalb glaubt er, dass jeder Mensch an seinen Gott und an den Koran glauben sollte und er verachtet alle, die es nicht tun oder die dem Koran nicht in seinem Sinne folge leisten.

Fazit

Wir sehen also, es ist nicht verwunderlich, dass viele von uns den islamischen Terror nicht verstehen können.

Der Westen versucht hier in diesem Leben ein Paradies zu schaffen. Er glaubt, wenn er den Tod nur lange genug aus seinem Bewusstsein verdrängt, wird sich das Problem schon irgendwie von selbst erledigen. Zudem ist er völlig davon überzeugt, dass dies die beste mögliche Lebensweise ist und dass jeder Mensch so leben will. Wer es nicht will, der weiß es nur noch nicht. Eine folgenschwere Fehlannahme.

Der Islamist nämlich braucht dieses irdische Paradies nicht und er verachtet es. Er glaubt dieses Leben ist nur eine Durchgangsstation an dessen Ende die Kämpfer des wahren Islam in das echte und ewige Paradies kommen. Er läuft vor dem Tod nicht davon, er läuft ihm entgegen.

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Was ist der Sinn des Lebens?

Seit Anbeginn der Zeit stellen sich die Menschen die Frage nach dem Sinn des Lebens. Bisher konnte niemand eine endgültige Antwort geben. Glücklicherweise gibt es eine pragmatische Antwort.

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Warum sind wir hier in dieser Welt? Warum sind wir uns unserer eigenen Existenz bewusst? Was ist der Sinn des Lebens?

Diese und ähnliche Fragen hat sich jeder schon einmal gestellt. Unzählige Philosophen haben sich den Kopf darüber zerbrochen. Ganze Religionen wurden geschaffen und haben für Jahrhunderte und Jahrtausende den Menschen eine Erklärung und eine Zielrichtung für ihr Leben vorgegeben.

Und doch werden wir wohl nie eine endgültige Antwort erhalten – zumindest nicht in diesem Leben.

Wenn nichts hilft, hilft nur Pragmatismus

Wenn Philosophie nicht weiterhilft, dann hilft nur eins: Pragmatismus.

Die Grundbedingungen sind für uns alle dieselben. Wir alle haben uns mehr oder weniger unverhofft in dieser Welt wiedergefunden und mit den Jahren lernen wir sie besser zu verstehen. Und auch wenn wir es nur zu gerne verdrängen: Eines Tages muss jeder einzelne von uns diese Welt wieder verlassen.

Es soll jetzt nicht irgendwie morbide klingen. Aber in einer Welt, in der alles irgendwie relativ erscheint, ist die Gewissheit unseres Todes da nicht so etwas wie ein absoluter Bezugspunkt? Ist das nicht vielleicht der Ansatzpunkt, um so etwas wie einen Sinn in dieses Leben zu bringen?

Das Leben vom Tod aus betrachten

Ich glaube, dass wir alle einmal diesen Moment erleben werden, in dem uns bewusst ist, dass wir gerade im Sterben liegen. Wir werden spüren, dass es bereits vorbei ist. Wir werden noch in dieser Welt sein, doch der Tod wird bereits von uns Besitz ergreifen. Und in diesem Moment werden wir uns nichts sehnlicher wünschen, als hier zu bleiben.

Nur noch für einen Tag, eine Woche oder ein Jahr. Alle Fehler korrigieren und alles zuende bringen, was noch nicht zuende gebracht wurde. Doch so sehnlich wir uns auch wünschen werden hier bleiben zu können, so bewusst wird uns auch sein, dass dies nicht möglich ist. Unsere Zeit ist abgelaufen und nichts kann daran noch etwas ändern.

Und sobald wir unser Schicksal akzeptiert haben, werden wir auf unser Leben zurück blicken.

Unser Blick wird auf all die Dinge fallen, die uns so wichtig erschienen. Auf all die Dinge, vor denen wir so große Angst hatten. Auf all die scheinbar so unüberwindlichen Hindernisse, die uns davon abhielten das zu tun, was wir für wichtig erachteten und das wir so gerne zur Realität gemacht hätten.

Und wir werden auf all die Dinge schauen, die uns so notwendig und alternativlos erschienen. Und natürlich werden wir uns auch an die Momente erinnern, in denen wir sinnlos unsere Zeit verschwendeten. Zeit, die uns unendlich schien, doch die von diesem Moment an mit einem Mal verronnen ist.

Was uns zurück hält

Warum fürchteten wir uns so sehr, uns unbeliebt zu machen? Warum sorgten wir uns so sehr um Geld? Warum haben wir nie für unsere Meinung eingestanden? Warum kämpften wir nicht für das, woran wir geglaubt hatten? Warum sind wir so wenige Risiken eingegangen? Warum waren wir so bequem? Warum verschwendeten wir unsere wertvolle Zeit mit geistlosem Fernsehkonsum und warum betäubten wir uns mit Computerspielen? Warum lenkten wir uns aus Angst vor der Größe der Aufgabe von unserer Arbeit ab, wo wir doch so große Pläne hatten?

Im Angesicht des Todes werden wir erkennen, wie klein und unbedeutend alle diese Probleme waren. Den meisten von uns wird dann bewusst werden, dass sie ein falsches Leben gelebt und ihre Zeit auf dieser Welt verschwendet haben.

Sie waren die Sklaven von Ängsten und Notwendigkeiten, die sich in der kalten Umarmung des Todes als schlecht gemachte Illusionen zu erkennen geben. Und nun ist alles vorbei.

Welch größere Niederlage könnte der Mensch sich ausdenken?

Das Leben wahrhaft leben

Nun ist es nicht mehr schwer, eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu geben.

Eines Tages werden wir über unser eigenes Leben richten. Losgelöst von allen Zwängen, die uns heute so übermächtig erscheinen, werden wir zurückblicken und wir werden ein Urteil über das Leben fällen, das wir heute noch nach unserem Willen formen können.

In diesem Moment der Wahrheit werden wir wissen, ob wir wahrhaft gelebt haben, oder ob wir uns nur haben treiben lassen, in der naiven Hoffnung, dieser Tag möge niemals kommen.

Das mag beängstigend klingen. Doch leben wir nicht letztlich nur für diesen einen Moment? Ist nicht genau das der Sinn unseres Lebens? Leben wir nicht, um etwas zu schaffen und zu werden, worauf wir im Angesicht unseres Todes mit Zufriedenheit und vielleicht sogar triumphierend zurückblicken können? Ist dies nicht das Beste, was wir dieser Welt abringen können?

Was sonst also könnte der Sinn unseres Lebens sein?

Für uns ist der Tod meist nur eine intellektuelle Kategorie. Eine Sache von der wir wissen, dass sie wahr ist, ohne dass wir wirklich daran glauben. Doch manchmal können wir ihn spüren. Manchmal liegen wir nachts wach oder haben tags über aus heiterem Himmel einen kurzen Augenblick, in dem uns diese Wirklichkeit voll und ganz bewusst wird. In einem solchen Moment wissen wir nicht nur um unsere Sterblichkeit, wir spüren sie und für einen Augenblick ist sie die einzige Realität, die wir kennen.

Hattest du schon einmal so einen Moment? Versetze dich in ihn hinein. Mache dir wieder bewusst, wie es sich anfühlt, wenn du dir deiner Sterblichkeit bewusst bist. Auf was möchtest du im finalen Moment deines Lebens zurückblicken? Wer möchtest du gewesen sein? Was willst du erreicht haben? Was willst du für deine Familie oder andere getan haben? Was willst du zurücklassen? Was braucht es, damit du zufrieden auf dieses Leben zurückblicken kannst?

Was immer du auf diese Fragen antwortest, das ist der Sinn deines Lebens!