Geht der Westen gerade an einer Schwarzen Legende zugrunde?

Das ist ja mal interessant. Es es gibt in der Geschichstsforschung den Begriff der „Schwarzen Legende“.

Auf Wikipedia heißt es dazu im Artikel Black Legend:

A „black legend“ (Spanish: leyenda negra) is a historiographic phenomenon suffered by either characters, nations or institutions, and characterized by the sustained trend in historical writing of biased reporting, introduction of fabricated, exaggerated and/or decontextualized facts, with the intention of creating a distorted and uniquely inhuman image of it, while hiding from view all its positive contributions to history.

Weiter wird da ein zeitgenössischer spanischer Historiker mit folgender Definition zitiert:

„The careful distortion of the history of a nation, perpetrated by its enemies, in order to better fight it. And a distortion as monstrous as possible, with the goal of achieving a specific aim: the moral disqualification of the nation, whose supremacy must be fought in every way possible.“

—  Alfredo Alvar, La Leyenda Negra

Eine „Schwarze Legende“ ist also die Verzerrung der Geschichte einer Nation und sie manifestiert sich als ein langanhaltender Trend der übertrieben negativen Selbstbetrachtung in den Medien, dem Kulturbetrieb und teils auch der historischen Forschung. Die Errungenschaften und Leistungen der Nation werden dabei so weit wie irgend möglich aus der Wahrnehmung verdrängt.

Eine Schwarze Legende wird oftmals von den Feinden der Nation zu ihrer Schwächung initiiert und sie wird von den Einwohnern der Nation selbst, wie auch von den Einwohnern anderer Nationen aufgesogen und manchmal sogar über Jahrhunderte am Leben erhalten.

Der Begriff selbst stammt von spanischen Historikern, die wohl schon länger dabei sind, ihre eigene Schwarze Legende – die sich vor allem auf die Ereignisse bei der Eroberung Spaniens stützt – zu analysieren.

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Eine spanische Historikerin geht noch weiter und stellt die Theorie auf, die Entstehung und die Akzeptanz einer „Schwarzen Legende“ wäre eine Art massenpsychologisches Phänomen, das in allen multikulturellen Imperien zu beobachten ist:

According to historian Elvira Roca Barea the formation of a Black Legend and its assimilation by the nation that suffers it is a phenomenon observed in all multicultural empires, not just on the Spanish Empire. The black legend of empires would be the result of the following combined factors:

  1. The combined propaganda attacks and efforts of most smaller powers of the time, as well as defeated rivals.
  2. The propaganda created by the many rival power factions within the Empire itself against each other as part of their struggle to win more power.
  3. The self criticism of the intellectual elite, which tends to be larger in larger Empires.
  4. The need of the new powers consolidated during the Empire´s life or after its dissolution to justify their new prevalence and the new order.

Said black legend tends to fade once the next great power is established or that enough time has gone by.

Die Gründe für das Aufkommen einer Schwarzen Legende in einem solchen multikulturellen Staatsgebilde sind laut Frau Barea also:

  • Die Propaganda-Angriffe kleinerer Mächte und besiegter Gegner
  • Die Propaganda rivalisierender Fraktionen innerhalb der Gesellschaft
  • Die Selbstkritik der intellektuellen Elite
  • Aufstrebende Mächte, die das alte Imperium ersetzen, benötigen ein Narrativ, um ihre neu gewonnene Herrschaft zu rechtfertigen

Elvira Roca Barea hat auch ein Buch mit dem Titel „Ablehnung von Imperien und Schwarze Legenden: Rom, Russland, die USA und das Spanische Weltreich“ (original: „Imperofobia y Leyenda Negra: Roma, Rusia, Estados Unidos y el Imperio Español“) geschrieben. Dieses Buch ist bisher leider nur auf spanisch erhältlich, aber immerhin findet sich auf Frau Bareas Wikipediaseite ein kleiner Abriss des Inhalts:

Roca Barea coins the term Empire-phobia to refer to a characteristic, repetitive process of demonization through distortion and magnification of three elements that all multi-cultural empires suffer by neighbouring nations, given certain circumstances, and that follows a consistent pattern. She claims that the Spanish Black Legend isn´t a unique phenomenon, but a particularly persistent case of this broader phenomenon, which also affected other empires like ancient Rome and Ottoman Turkey, and is now affecting modern United States, especially in the Islamic world.

In her book she offers a definition of both Empire and „black legends“. Then she shows the common elements of this discourse across nations and times, and their shared strategies of construction by deconstructing its elements and showing the similarities between the anti-American, anti-Russian, anti-Roman and anti-Spanish propaganda produced by their respective contemporaries, as well as the similarities in how the empires responded-or rather, didn´t respond.

Das ist mal ein mehr als nur interessanter Gedanke. Was wenn das was wir heute im Westen beobachten können nicht einfach der Wahnsinn einer völlig verrückten Zeit ist? Was wenn das was wir heute beobachten schon viele Male zuvor passiert ist?

Ist vielleicht sogar jedes, wirklich jedes Weltreich vor seinem Untergang einen ähnlichen Weg gegangen wie unsere Westliche Zivilisation heute?

Kommt es irgendwann nach dem Aufstieg einer Nation oder eines Imperiums (und im Grunde sind wir ja Teil dieses westlich amerikanischen Weltreichs) zu der Etablierung einer solchen Schwarzen Legende, die das Selbstbild der Menschen zerstört und sie mit der Zeit unvermeidlich in den Abgrund führt?

Als ich mich zum ersten Mal mit Rom beschäftigt hatte und von seinem Untergang gelesen habe, da war ich aufs tiefste schockiert. Wie konnte das sein? Wie konnte eine solch große Zivilisation einfach sang und klanglos im Orkus der Geschichte verschwinden? Wenn man einmal ein solches Niveau von Zivilisation erreicht hatte, müsste es dann nicht ein Leichtes sein seine Werte und Tugenden, die ja zweifelsfrei funktionieren und in dieser Welt zum Erfolg führen, an seine Nachfahren weiterzugeben und diese zu lehren sie mit sinnvollen Verbesserungen auch an ihre Nachfahren weiter zu geben, damit diese Zivilisation niemals untergehen würde?

Doch wer schon ein wenig länger auf dieser Welt weilt, der weiß, dass wir Menschen bei weitem nicht so logische Kreaturen sind, wie wir es gerne sein würden. Wir sind anfällig für Beeinflussung (ja, Propaganda funktioniert wirklich), merkwürdige und für uns selbst schädliche Ideen und manchmal leider sogar für ausgewachsene Massenpsychosen.

Und wie hätten die großen Zivilisationen der Vergangenheit auch sonst fallen sollen? Sie konnten nur warten bis im Laufe der Jahrtausende eine große Katastrophe über sie kommen und sie hinwegfegen würde, oder sie mussten eben von innen heraus zerfallen. Und man kann wohl davon ausgehen, dass letzteres so gut wie immer zuerst passiert.

Will man sich den Begriff der „Schwarzen Legende“ nun zueigen machen, so ist es ein Leichtes, die Schwarze Legende des Westens zu umreißen:

  • Wir sind Schuld an der Armut überall in der Welt, denn wir beuten die Armen aus und unser Wohlstand ist der Beweis dafür.
  • Wir haben die Welt jahrhundertelang unterdrückt und damit unermessliche Schuld auf uns geladen.
  • Wir zerstören mit unserem Müll und unseren Abgasen den Planeten.
  • Wir sind schuld an allen Kriegen in der Welt. Ohne den Westen wäre der Krieg schon längst „überwunden“ worden.
  • Ohne den Westen und den Weißen Mann wäre die Welt ein besserer Ort.

Dass es nie zuvor in der Geschichte der Menschheit eine Zivilisation gab, die größere technische und kulturelle Errungeschaften hervorgebracht hat? Dass sich ausgerechnet diese Zivilisation für die Erfindung der allgemeinen Menschenrechte verantwortlich zeigt?

Alles geschenkt.

5 gefährliche Ideen, die den Westen zersetzen

Es gibt Momente, da erfahren wir in einem Gespräch, dass manche Zeitgenossen wahrlich merkwürdig ticken. Man hält die Leute für völlig normal. Sie gehen ihrer Arbeit nach und machen einen total vernünftigen Eindruck. Sie haben ähnliche Hobbies wie man selbst und öfters ist man bei unpolitischen Themen sogar einer Meinung. Man findet sie regelrecht sympathisch.

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Und dann plötzlich fällt mitten im Gespräch ein Satz, der einen aus den Socken haut. Mit einem Mal wird einem bewusst, dass mehr Leute als man sich vorstellen kann und will den Mist verinnerlicht haben, der seit Jahrzehnten in den Medien propagiert wird.

Diese Leute glauben Dinge, die diametral gegen ihre eigenen Interessen gerichtet sind und haben sie sich teils sogar als einen moralischen Grundsatz zurechtgelegt. Man spürt, sie fühlen sie sich toll und moralisch überlegen, wenn sie diesen Blödsinn vertreten.

Schauen wir uns 5 dieser merkwürdigen Ideen einmal genauer an.

1. Die Erde wäre ohne uns Menschen ein besserer Ort

Es gibt Leute die glauben, dass die Erde ein besserer Ort wäre, wenn wir Menschen gar nicht existieren würden. Das ist wirklich kein Witz! Diese Leute sind überzeugt, wenn sie selbst und wir anderen alle nicht existieren würden, dann wäre hier auf dieser Welt alles viel besser.

Man will diese Leute nur packen und ihnen links und rechts eine Ohrfeige verpassen, bis sie wieder zu Verstand kommen. Aber selbst das würde nichts helfen. Es ist einfach nur bizarr.

Aber wie kommt man auf so einen absurden Gedanken?

Wir alle sind weit entfernt von der eigentlichen Natur aufgewachsen. „Natur“ kennen wir meist nur aus dem Fernsehen und aus dem Zoo. Auch die Mühen, die mit dem Leben außerhalb der Zivilisation verbunden sind, sind uns völlig fremd.

Wir leben ein privilegiertes Leben. Dies ermöglicht uns alle Fehler des Menschen und der Zivilisation peinlich genau zu betrachten und uns eingehend damit zu befassen, während wir uns in unseren Köpfen zugleich ein durch und durch romantisches Bild der Natur schaffen.

Zudem werden wir von Kindheit an mit Ängsten bezüglich Klimawandel und Umweltzerstörung zugedröhnt. Die Ökoapokalypse ist immer nur einen Augenblick entfernt. Und das schon seit den 70ern.

Jahrzehnte der Umweltpanikmache haben ihre Spuren hinterlassen.

Die Natur aber ist kein Ort der Romantik. Die Natur ist ein Ort des ununterbrochenen Kampfs ums Überleben. Jedes Tier und jeder Mensch – der außerhalb der Zivilisation lebt – ist diesem gnadenlosen Kampf ums Dasein unterworfen.

Das folgende Video ist nur etwas für Leute mit starken Nerven und zeigt einen Komodo, der seine Beute langsam und bei lebendigem Leib frisst:

Das ist die Natur! Man muss sich das wirklich auf solch drastische Weise wieder verdeutlichen. Solche Videos gibt es heute zuhauf im Internet. Auch Wölfe, Löwen und andere Raubtiere fressen ihre Beute oftmals wenn diese noch am Leben ist. Ethische Grundsätze, die ein schnelles und möglichst schmerzfreies Töten der Beute fordern sind eine reine Erfindung des Menschen.

Viele Raubtiere fressen ihre Beute zudem gerne wie der hier gezeigte Komodo von hinten. Das hat zwei sehr praktische Gründe:

  1. Bei der Verfolgung ist das Hinterteil des Beutetiers dem Raubtier am nächsten und da kommt es dann natürlich auch zuerst mit seinen Krallen und Zähnen heran
  2. Hinten ist das Tier weicher und es sind weniger Knochen im Weg

Sehr praktisch also. Dumm nur für das Beutetier, dass sich in seiner hinteren Körperhälfte keine direkt lebenswichtigen Organe befinden und es so einen langsamen und äußerst leidvollen Tod vor sich hat.

Ich will hier nicht abstreiten, dass die Natur von überwältigender Schönheit ist. Aber um das genießen zu können, muss man eben das Privileg haben, nicht Teil dieses Überlebenskampfes sein zu müssen. Und dann vergisst man leider leicht, dass das da draußen nun einmal kein Kuschelparadies, sondern eine sehr brutale und unnachsichtige Welt ist.

Unsere Vorfahren brauchten Jahrtausende, um sich dieser grünen Hölle zu entziehen, die wir heute so romantisch verklären. Und was wäre dieser Planet ohne uns Menschen?

Es gäbe keine großartigen Bauwerke, keine Wissenschaft, keine Erkenntnis und keine Philosophie. Ja es gäbe noch nicht einmal eine Moral, die jene, die sich in ihrer Selbstverleugnung für so schrecklich klug halten, gebrauchen könnten, um uns zu erklären, wie falsch und furchtbar es ist, dass wir existieren.

2. Man muss eine Frau respektieren nur weil sie eine Frau ist

Im Westen ist es heute für uns Männer nicht mehr opportun, Frauen zu kritisieren. Man hat uns beigebracht, Frauen zu respektieren, egal was sie tun und egal wie sie sich verhalten.

Eine Frau ist nachts um 2 sternhagel voll und läuft betrunken durch die Stadt? Sie hat doch nur ein wenig Spaß!

Eine Frau ist schwanger und weiß nicht wer der Vater ist? Kann ja mal passieren, wer bist du, darüber zu urteilen?

So richtig bewusst wird einem erst dann, wie sehr man beeinflusst worden ist, wenn man eine Frau trifft, die man tatsächlich respektiert. Dann wird einem klar, dass man viele Frauen in seinem Leben gar nicht wirklich respektiert hat. Man hat sie nur akzeptiert und manchmal hat man vielleicht sogar nur ihr Verhalten, das man als unangemessen betrachtet hat, ignoriert. Und das auch nur deshalb, weil es einem so beigebracht wurde und weil jede andere Reaktion potentiell mit hohen sozialen Kosten verbunden gewesen wäre.

Mit Respekt hat das nicht unbedingt etwas zu tun.

Trifft man jetzt aber eine Frau, die man tatsächlich respektiert, dann wird einem plötzlich klar, dass Respekt auch gegenüber Frauen keine Entscheidung ist. Wenn man eine Frau respektiert, wegen Dingen, die sie tut oder wegen gewissen Werten, die sie lebt, dann weiß man mit einem Mal, was es wirklich heißt, eine Frau zu respektieren.

Diese Idee, dass man jede beliebige Frau respektieren muss, ist sehr tief in die westliche Gesellschaft eingedrungen. Sie schafft Denkverbote für Männer und hält sie aus einem Teil des politischen Diskurses heraus. Zudem ist sie ein entscheidender Grund, warum heute viele Frauen ein furchtbares Benehmen an den Tag legen. Egal was eine Frau tut, es wird von der Gesellschaft gut geheißen.

Es sollte wenig verwunderlich sein, dass ein moralischer Verfall die Konsequenz ist.

3. Der Westen ist schuld an allen Kriegen und am Elend der Welt

Wow! Das ist eine steile Aussage. Doch leider gibt es viel zu viele Leute, die diesen Blödsinn glauben. Und sie glauben sogar, wir würden den Rest der Welt ausbeuten, unser Wohlstand wäre das Spiegelbild der Armut Afrikas und wir müssten deshalb im Büßergewand gehen und uns dem Rest der Welt in Demut unterwerfen.

Natürlich ist der Westen nicht schuld!

Der Westen ist sehr mächtig und die USA sind (noch) eine Weltmacht. Jede Weltmacht wird gelegentlich von anderen Mächten herausgefordert. Leider kommt es dabei auch manchmal zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Manche sind vermeidbar, andere nicht.

Unterm Strich sorgt eine Weltmacht aber für Ordnung und reduziert die Zahl der eskalierenden Konflikte in der Welt. Gibt es keine solche Ordnungsmacht, dann gibt es für staatliche und nicht-staatliche Akteure aller Art deutlich mehr Spielraum und die Chance sich in einem Konflikt mit Gewalt durchzusetzen ist deutlich größer und somit ist diese Option viel verlockender.

Wer das nicht glauben will, der muss nur die Nachrichten schauen. Die USA sind gerade dabei, ihren Status als Weltmacht zu verlieren. Das Chaos, das wir momentan in der Welt sehen, ist nur ein kleiner Ausblick auf das, was passieren wird, wenn es gar keine ordnende Weltmacht mehr gibt.

Ebenso abwegig ist der Gedanke, der Westen hätte seinen Wohlstand auf der Armut Afrikas errichtet. Der Kolonialismus endete um das Jahr 1960. Seitdem sind also fast 60 Jahre vergangen. Das ist weit mehr Zeit, als Deutschland und Japan benötigt haben, um ein Wirtschaftswunder aus dem Boden zu stampfen.

Und wenn es einzelnen Ländern nicht einmal gelingt, die zur Versorgung ihrer eigenen Bevölkerung benötigten landwirtschaftlichen Flächen vor dem Zugriff ausländischer Investoren zu schützen, dann ist das nicht die Schuld des bösen Westens, sondern das Ergebnis von Korruption und Verrat. Manchmal ist eine gesunde Portion Nationalismus eben doch nicht ganz verkehrt.

Durch das politkorrekte Verschweigen solcher Tatsachen und die Negation jeder Eigenverantwortung der unmittelbar Betroffenen wird man diese Probleme jedenfalls nicht lösen.

4. Es gibt einen unaufhaltsamen „gesellschaftlichen Fortschritt“ und wir haben keine Kontrolle über unser eigenes Schicksal

Diese Idee ist ungeheuer entmutigend. Und genau das soll sie auch sein. Wir können ohnehin nichts ändern, also warum es überhaupt versuchen? Der „Fortschritt“ lässt sich nicht aufhalten, also ergeben wir uns doch einfach in unser Schicksal.

Diese Idee ist die Antithese der Demokratie. Wenn ohnehin keine Veränderung möglich ist, weil die einzig möglichen Veränderungen vom „Fortschritt“ vorgegeben sind, dann können wir einfach immer die gleichen Leute wählen. Sie werden schon das Richtige, das ja ohnehin das einzig Mögliche ist, tun und wir geniesen so lange das Leben. Die Konsequenzen dieses unaufhaltsamen „Fortschritts“ sind schließlich genauso alternativlos wie er selbst.

Natürlich ist auch diese Idee völliger Blödsinn.

Es gibt keinen unaufhaltsamen gesellschaftlichen Fortschritt. Es gibt einen technologischen Fortschritt und dieser hat oftmals gesellschaftliche Veränderungen zur Folge. Das heißt aber nicht, dass wir solchen Veränderungen nicht durch eine Anpassung unserer Gesellschaft begegnen können. Technologien kann man regulieren und ein Staat und eine Gesellschaft müssen immer das fördern, was wünschenswert ist und zugleich das erschweren, was nicht wünschenswert ist.

Am Ende muss immer eine funktionierende Gesellschaft stehen, die den Stürmen der Zeit standhalten kann.

5. Nur zu Überleben ist genug

Das tägliche Überleben sollte uns genug sein. Dazu noch ein wenig Geld und Luxus und es gibt keinen Grund mehr unglücklich zu sein oder sich gar zu beschweren.

Wen interessiert die Zukunft? Weder die eigene Zukunft, die Zukunft der eigenen Familie noch die Zukunft des eigenen Landes sind von Belang. Man richtet sich in der Gegenwart ein und betäubt sich vor der Glotze oder am Computer.

Wer hier ausscheert macht sich verdächtig.

Fazit

Es geistern heute viele falsche und teils auch kranke Ideen durch die Köpfe. Diese Ideen sind schädlich für den Einzelnen, da sie jeden positiven Bezug zu sich selbst zerstören. Dadurch hindern sie uns daran, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen und für das zu streiten, was uns selbst und unseren Nächsten langfristig nützen wird.

Es mag sich für eine Weile gut anfühlen, sich selbst als moralisch überlegen zu empfinden und auf die schlechte Welt zu schimpfen, aber am Ende wird man dafür die Quittung bekommen.

Noch verheerender als für den Einzelnen aber sind diese falschen Ideen für unsere Gesellschaft. Sie zerstören sie nicht nur, sie lösen sie regelrecht von innen auf.

Wie soll denn eine Gemeinschaft auch langfristig funktionieren, die sich selbst als die Quelle aller Übel der Welt sieht, in der schlechtes Verhalten toleriert wird und die zugleich glaubt, dass alles, was gerade so passiert, unaufhaltsam und alternativlos ist? Eine solche Gemeinschaft hat sich selbst schon längst aufgegeben.

Wir müssen uns dieser und anderer schädlicher Ideen an uns selbst und an anderen bewusst werden. Nur so können wir Gegenargumente für sie finden und nur so können wir sie durch andere, positive Ideen ersetzen.

US-Präsident Trump in Warschau: Die fundamentale Frage unserer Zeit ist, ob der Westen den Willen hat zu überleben

Bevor US-Präsident Trump (es fühlt sich auch nach einem halben Jahr noch so verdammt gut an das zu schreiben) zum heute beginnenden G20-Gipfel nach Deutschland kam, besuchte er Polen. Dort hielt er eine überragende Rede, die sich keiner entgehen lassen sollte:

Man beachte zuerst den Kontrast zwischen Polen und Deutschland. Hier ein normales Land, dessen Bürger sich über den Besuch und des Präsidenten des mächtigsten Landes der Welt freuen und ihn mit polnischen und amerikanischen Fähnchen begrüßen und gespannt darauf sind, was er über ihr Land und das Verhältnis beider Länder zueinander zu sagen hat.

Auf der anderen Seite ein Land, das seinen Verstand verloren hat. Wohlstandsverwahrloste Idioten ergötzen sich an einer weltfremden und selbstzerstörerischen Moral, spielen Krieg in den Straßen Hamburgs und glauben allen ernstes sie wären im Recht und würden für eine edle und richtige Sache kämpfen.

Die Polen freuen sich derweil über die Unterstützung der USA, die zwischen den Zeilen auch eine Zusage zum Beistand gegen russische Machtinteressen ist. Von anderswo können sie eine solche Unterstützung auch gar nicht erwarten: Deutsche würden östliche Nato-Partner bei Angriff alleinlassen

Aber schauen wir uns die Rede selbst an.

Für alle, die keine Zeit haben sich die Rede komplett anzuschauen hier das Wichtigste zusammengefasst:

  • „Amerika liebt Polen“
  • „Wir sehen im Volk der Polen die Seele Europas“
  • Er lobt den Geist und die Stärke der Polen, deren Nation für zwei Jahrhunderte unterworfen, gedemütigt und für mehr als 120 Jahre sogar ganz von der Landkarte ausradiert worden ist (siehe Teilung Polens). Dennoch haben die Polen nie ihren Stolz verloren. „Entgegen jedem Versuch euch zu transformieren, euch zu unterdrücken oder euch zu zerstören habt ihr alles Unheil ertragen und überwunden…“
  • Amerika ist immer für das Recht und der Polen auf Freiheit und Unabhängigkeit eingetreten und das wird es auch in Zukunft immer tun
  • Amerika und Polen verbindet ein enges Band das geschmiedet ist aus einer einzigartige Geschichte und aus dem Charakter beider Völker
  • „Die Geschichte Polens ist die Geschichte eines Volkes, das niemals die Hoffnung verloren hat. Das niemals gebrochen wurde. Und das niemals vergessen hat, wer es ist.“
  • Das polnische Publikum ruft: „USA! USA! USA! …“ (was sie während der Rede noch mehrmals wiederholen)
  • Unter der doppelte Besatzung durch Nazi-Deutschland und die Sowjetunion erfuhren die Polen unbeschreibliches Leid (siehe Hitler-Stalin-Pakt).
  • Das Massaker von Katyn, der Holocaust, das Warschauer Ghetto, der Aufstand im Warschauer Ghetto waren nur einige der Gräuel, die die Polen durchleiden mussten. Nahezu einer von fünf Polen hat den Krieg nicht überlebt.
  • Die einstmals große jüdische Bevölkerung wurde fast vollständig ausgelöscht.
  • Als die mit Polen verbündete Rote Armee 1944 anrückte erhob sich die polnische Heimatarmee in Warschau gegen die deutschen Besatzer. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen, während die Rote Armee (vermutlich absichtlich) nicht eingriff (Warschauer Aufstand)
  • Die deutschen Besatzer versuchten diese Nation für immer zu zerstören, aber es gibt eine Tapferkeit und eine Stärke tief in der polnischen Seele, die niemand zerstören konnte.
  • Trump zitiert den polnischen Bischoff und Märtyrer Michał Kozal: „Viel furchteinflößender als ein militärischer Zusammenbruch ist ein Zusammenbruch des menschlichen Willens“
  • Auch in vier Jahrzehnten kommunistischer Herrschaft durchlitten die Polen einen brutalen Angriff auf ihre Freiheit, ihre Religion, ihre Gesetze, ihre Geschichte und auf ihre Identität und ihre Kultur. Und doch haben sie nie diesen Willen verloren. Polen konnte nicht gebrochen werden (siehe Solidarność).
  • Trump lobt die Polen für ihre tiefe Religiosität, ihre Sehnsucht nach Gott und ihren Widerstand gegen den Kommunismus: „Poland prevailed, Poland will always prevail.“
  • Er bezeichnet Polen als eines der engagiertesten Mitglieder der NATO und schlägt den Bogen zu der heutigen Bedrohung des Westens durch den radikalen Islam.
  • Trump betont, dass der Westen für Einwanderung offen ist, stellt aber auch fest dass unsere Grenzen für Exteremismus und Terrorismus jeder Art geschlossen sein müssen.
  • Der Westen wird herausgefordert von Ländern die mithilfe von Propaganda, Finanzverbrechen und Cyberangriffen unseren Willen testen.
  • Er fordert Russland auf, sein desktruktives Verhalten einzustellen und mit uns zusammen zu arbeiten.
  • Amerikaner, Polen und die anderen Nationen Europas schätzen Werte wie Freiheit und Souveränität. Heute versuchen Feinde von innen und außen die Bande unserer Kultur, unseres Glaubens und unserer Traditionen mit der Zeit zu erodieren, aber dies wird ihnen niemals gelingen, da wir wissen wer sind und da wir dies niemals vergessen werden.
  • Donald Trump beschwört die Grundwerte des Westens: Unser Kreativität, unsere Fähigkeit, Neues zu erschaffen, unsere Verehrung für unsere antiken Helden, unsere zeitlosen Traditionen und Bräuche und unseren Drang beständig Neues zu entdecken und Grenzen zu überwinden. Er führt die Rechtsstaatlichkeit auf, die Freiheit der Rede, die Rechte der Frauen und die Würde des Menschen. Wir haben diese Dinge von unseren Vorfahren geerbt und sie binden uns als Völker und Nationen aneinander. Und wir werden sie nicht preis geben wegen eines Mangels an Stolz und Selbstvertrauen.

Der Höhepunkt von Trumps Rede sind diese beiden Absätze:

We have to remember that our defense is not just a commitment of money, it is a commitment of will. Because as the Polish experience reminds us, the defense of the West ultimately rests not only on means but also on the will of its people to prevail and be successful and get what you have to have. The fundamental question of our time is whether the West has the will to survive. Do we have the confidence in our values to defend them at any cost? Do we have enough respect for our citizens to protect our borders? Do we have the desire and the courage to preserve our civilization in the face of those who would subvert and destroy it?
We can have the largest economies and the most lethal weapons anywhere on Earth, but if we do not have strong families and strong values, then we will be weak and we will not survive. If anyone forgets the critical importance of these things, let them come to one country that never has. Let them come to Poland. And let them come here, to Warsaw, and learn the story of the Warsaw Uprising.
Auf Deutsch:
Wir müssen uns daran erinnern, dass unsere Verteidigung nicht nur eine Verpflichtung des Geldes ist, sie ist eine Verpflichtung des Willens. Das Schicksal des Polnischen Volkes erinnert uns daran, dass die Verteidigung des Westens nicht nur von den Mitteln seiner Verteidigung, sondern auch von dem Willen abhängt, den seine Völker aufbringen um zu bestehen und erfolgreich zu sein. Die fundamentale Frage unserer Zeit ist die, ob der Westen den Willen hat zu überleben. Haben wir das nötige Vertrauen in unsere Werte, um sie zu Verteidigen, egal wie hoch der Preis auch sein möge? Haben wir genug Achtung für unsere Bürger, um unsere Grenzen zu verteidigen? Haben wir die Begier und den Mut um unsere Zivilisation im Angesicht derer zu verteidigen, die sie unterwandern und zerstören wollen?
Selbst wenn wir die mächtigste Wirtschaft und die tödlichsten Waffen der ganzen Welt haben, dies alles wird uns nichts nützen, wenn wir keine starken Familien und keine starken Werte besitzen. Denn dann werden wir schwach sein und wir werden nicht überleben. Wenn jemand die kritische Bedeutung dieser Dinge veresssen haben sollte, lasst ihn ein Land besuchen, dass diese noch niemals vergessen hat. Schickt sie nach Polen. Und lasst sie hierher nach Warschau kommen und erzählt ihnen die Geschichte des Warschauer Ghettos.

Diese Rede mag für den ein oder anderen Deutschen schwer zu verdauen sein. Und es erscheint durchaus ein wenig ungeschickt, hier innereuropäische Kriege und Gräueltaten heranzuziehen, um die Einigkeit des Westens zu beschwören.

Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ist diese Rede so wichtig. Die Geschichte Polens steht stellvertretend für die Tragik unseres Kontinents. Jenen Kontinents, der die Westliche Zivilisation begründet und mehr an Kultur, Technik und Wissen hervorgebracht, hat als jede andere Hochkultur in der langen Geschichte der Menschheit. Bei all unseren großartigen Leistungen haben wir in unserer Geschichte aber auch immer wieder aus eigenem Unvermögen in tiefste Abgründe geblickt.

Wir stehen heute vor großen Gefahren, die alle Nationen des Westens bedrohen und diese Gefahren können wir nur dann meistern, wenn wir die bösen Geister der Vergangenheit hinter uns lassen und uns auf das zurückbesinnen, was unsere gemeinsame Zivilisation ausmacht.

Heute ist unser Europa wieder gespalten. Doch diesmal ist es kein Vorhang aus Eisen, der uns trennt, diesmal ist es eine Ideologie. Während die Polen gemeinsam mit den anderen Visegrad-Staaten unsere Kultur und unsere Werte verteidigen, wurde Westeuropa von einem gefährlichen Relativismus unterwandert, der unsere Identität, unsere Traditonen und unsere Kultur zu verschlingen droht.

Donald Trump hat recht! Ganz Westeuropa kann heute viel lernen von diesem Land, das für mehr als 120 Jahre nicht existiert hat und das nur deshalb überlebt hat, weil es sich genauso lange geweigert hat dies anzuerkennen.