March for Science: Die Politisierung der Wissenschaft

Die Linke Deutungshoheit ist in Gefahr. In allen Ländern des Westens ist sie in Bedrängnis geraten. Schuld daran sind moralisch verkommene Individuen, sogenannte „Rechtspopulisten“. Diese äußerst unangenehmen Zeitgenossen erdreisten sich, lästige Fragen zu stellen und teils für Jahrzehnte sorgsam gehütete Dogmen anzuzweifeln. Sie haben keinen Respekt für den Status Quo und sie akzeptieren keine Wahrheit, die sie nicht zuvor selbst geprüft haben. Die Situation ist so schlimm, dass jetzt sogar schon die Wissenschaft bemüht werden muss, um diesen Unholden Einhalt zu gebieten.

So geschehen bei den weltweiten „March for Science“ Demonstrationen an diesem Wochenende, bei denen weltweit zehntausende Menschen bei über 600 Einzelveranstaltungen auf die Straße gegangen sind.

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March for Science

Initiiert wurde diese Bewegung von US-Wissenschaftlern (weitgehend außerhalb der MINT-Fächer), die seit Trumps Wahl zum Präsidenten Angst um ihre Forschungsgelder haben. Sie fürchten sich laut Aussage des deutschen Ablegers vor allem vor politischen Kampfbegriffen wie „alternativen Fakten“ und „Fake News“.

Das klingt nicht nur sehr politisch, das ist auch sehr politisch. Politik aber, hat in der Wissenschaft, mit Ausnahme der Geschichts- und Politikwissenschaft, überhaupt nichts zu suchen. Und dort auch nur als Gegenstand der wissenschaftlichen Betrachtung. Wer sich hier allzu politisch gibt, macht sich schnell unglaubwürdig.

Die Wissenschaft lebt davon, dass Faken und Schlussfolgerungen mithilfe der Wissenschaftlichen Methode seziert werden. Die Kritik ist quasi das Hauptwerkzeug der Wissenschaft. Alles muss angezweifelt werden können, sofern die Kritik denn fundiert ist. Nur so kann man falsche Annahmen eliminieren. Dabei ist die Wissenschaft niemals perfekt. Sie ist ein von Menschen betriebener Prozess. Und ihre Fakten und Schlussfolgerungen erhalten ihre Glaubwürdigkeit nur dadurch, dass sie wiederholt der wissenschaftlichen Kritik und wenn möglich dem Experiment unterzogen wurden und jedes Mal standgehalten haben.

Das große Problem beim „March for Science“ ist nun nicht, dass die Teilnehmer Einschränkungen in der Freiheit der Forschung bemängeln. Die sollten wo sie tatsächlich existieren, selbstverständlich abgestellt werden. Das Problem ist, dass sie das Wort „Wissenschaft“ vor sich hertragen, als würde es aus sich selbst heraus einen Anspruch auf absolute und unumstößliche Wahrheit begründen. Und genau damit befördern sie genau jenen Glaubwürdigkeitsverlust, den sie selbst so sehr kritisieren.

Wissenschaft ist nicht gleich Wissenschaft

Wer alles wissenschaftliche unreflektiert unter diesem Begriff zusammenfasst, der verkennt, dass es eine Abstufung der Wissenschaften nach der Mächtigkeit ihrer Methoden gibt.

Beginnen wir bei der Mathematik. In der Mathematik können Dinge bewiesen werden. Bei den wirklich komplexen Beweisen wird es auch hier schwierig. Diese können sich über viele Seiten erstrecken. Das Genie, welches sie entwickelt, muss dazu Jahre seines Lebens investieren und zu ihrer Prüfung bedarf es einer Reihe mathematischer Korophäen, die für diese Arbeit ebenfalls viel Zeit aufwenden müssen. Hier können natürlich Fehler passieren. Dennoch ist die Mathematik die Wissenschaft, die am ehesten behaupten kann, absolute Wahrheiten entdecken und absichern zu können.

Dann kommen in großem Abstand die Physik und die Chemie. Und schon da wird es schwierig. Physiker glaubten 400 Jahre lang, die von Newton entdeckten physikalischen Gesetze wären die unumstößliche Grundlage ihrer Wissenschaft. Anfang des 20. Jahrhunderts legte Albert Einstein mit der Relativitätstheorie eine Arbeit vor, die diese Gesetze zu einem Spezialfall einer weit komplexeren Welt degradiert. Und dieses neue Bild der Physik hat zu allem Verdruss weit weniger mit unserer unmittelbaren Erfahrung der Welt zu tun, als uns lieb sein kann.

Diese Theorie scheint schlichtweg so „verrückt“, dass selbst ein Großteil der damaligen Physiker sich lange dagegen gewehrt hat. Und als ob das noch nicht genug wäre, erklärt uns die Quantenphysik (die genauso durch Experimente bestätigt wird wie die Relativitätstheorie), dass sich die Welt auf der Ebene der Elementarteilchen völlig anders verhält und nicht einmal mehr das Prinzip von Ursache und Wirkung als gesicherter Fakt gelten kann. Und seitdem versuchen Physiker beide Theorien zu vereinen, da man so lange mit zwei verschiedenen Theorien arbeiten muss, je nachdem, ob man die Welt im Kleinen oder im Großen betrachtet.

Mit diesen Informationen im Hinterkopf, muss man sich unweigerlich fragen, wie es dann um die anderen Wissenschaften bestellt ist. Also denken wir z.B. an die Wirtschaftswissenschaften, die Sozialwissenschaften oder (die von den March of Science Veranstaltern besonders innig geliebte) Klimaforschung. Ich will diese Wissenschaften nicht verdammen. Nichts liegt mir ferner. Aber ihre Beweiskraft kann man nicht ernsthaft mit der der Mathematik auf eine Stufe stellen. Genau dies tut aber jemand, der völlig unreflektiert den Begriff „Wissenschaft“ vor sich her trägt.

Politisierte Wissenschaft

Wir haben kein besseres Instrument als die Wissenschaft und es wäre törricht sie zu ignorieren oder einfach zu verdammen. Aber genauso törricht wäre es auch, ihr blind zu vertrauen, sie wie ein Dogma vor sich her zu tragen und nicht zwischen ihren verschiedenen Zweigen zu differenzieren.

Die Gender-„Wissenschaft“ und die Klimaforschung zeigen zudem sehr eindringlich, wie Wissenschaft politisiert werden kann. Bei der Gender-„Wissenschaft“ handelt es sich um völligen Blödsinn, der nicht das Geringste mit Wissenschaft zu tun hat. Dass man so etwas überhaupt als Wissenschaft verkaufen kann, lässt schon auf einen hohen Grad der Politisierung an den Universitäten schließen und man muss sich angesichst dessen fragen, wie wissenschaftlich es dort überhaupt noch zugeht.

In der Klimaforschung sehen wir dagegen, wie Kritiker mundtot gemacht werden sollen und wie das bloße Abweichen vom Konsens der Mehrheit bereits als eine schändliche Handlung aufgefasst wird. Nun mögen da ja durchaus Spinner dabei sein. Aber man darf nicht vergessen, dass in der Wissenschaftsgeschichte oftmals vermeintliche „Spinner“ für bahnbrechende Entdeckungen verantwortlich waren.

Jetzt ist natürlich erst einmal überhaupt nichts verkehrt daran, Computermodelle für die zukünftige und die vergangene Veränderung des Weltklimas zu erstellen. Aber sich hin zu stellen und auf der Basis dieser Klimamodelle zu sagen, man könne die Zukunft vorhersagen, wenn man noch nichtmal alle Faktoren des Klimas kennt und auch die Gründe für die Eiszeiten nicht abschließend geklärt sind, scheint dann doch etwas verwegen. Ein bisschen mehr Demut wäre hier manchmal angebracht und würde sich sicher positiv auf die eigene Glaubwürdigkeit auswirken.

Fazit

Wir sehen also: Wir sollten skeptisch sein, wenn uns jemand allein mit der bloßen Behauptung der Wissenschaftlichkeit einer Aussage überzeugen will. Zu leicht kann man diesen Begriff missbrauchen, um selbst dem größten Blödsinn, wie z.B. den Gender-„Wissenschaften“, den Glanz absoluter Wahrheit zu verleihen und jede Diskussion im Keim zu ersticken.

Die Veranstalter des „March for Science“ sagen völlig zurecht, dass die Wissenschaft eine Basis unseres demokratischen Diskurses ist. Und genau deshalb muss sie unpolitisch bleiben.

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